Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1680584
50 
Erstes Buch. 
Die Spliinx. 
Andre YVerke. 
Innere war durch eine solche Granitplatte verdeckt. Um diese Bekleidung 
anbringen zu können, wurde das Werk in Absätzen aufgeführt und dann 
mit der Vollendung von oben nach unten fortgeschritten. Man findet sogar 
unfertige Pyramiden , die noch jetzt die terrassenartige Gestalt der ersten 
Anlage zeigen. Auch sonst ist man neuerdings durch gründliche Unter- 
suchungen zu überraschenden Aufsehlüssen über die Art der Entstehung 
dieser Baukolosse gelangt. Danach bergen die grössten unter ihnen im 
Innern den Kern einer viel kleineren Pyramide, mit der man zuerst den 
Bau abschloss. Sodann legte man einen Mantel um dieselbe und fügte in 
einer noch späteren Bauepoche gar einen zweiten hinzu, wodurch endlich 
die Pyramiden zu ihrer etzigen Ungeheuerlichkeit anwuchsen. 
In der Nähe der Gruppe von Ghizeh erhebt sich aus dem Wüstensande 
eim Sculpturwerk , das an Kolossalität in seiner Art jenen riesigen Monu- 
menten würdig zur Seite steht. Es ist die berühmte Sphinx, die hier als 
gigantische Wächterin des Gräberfeldes lagert. Ihre Körper-lange beträgt 
89 Fuss, die Höhe, so weit sie noch jetzt aus dem 
Fig-illl- Flugsande aufragt, erreicht 42 und lässt eine Ge- 
ix sammthöhe von über 70 Fuss vermuthen. Sieist mit 
.i'l bewundernswürdiger Kühnheit und Sicherheit aus 
i; einem einzigen Felshügel gemeisselt und hält zwi- 
i,  sehen den Vordcrtatzen einen kleinen Tempel. Eine 
l Inschrift bezeichnet den Koloss als vI-Iorus im Hori- 
  zontec, und eine andere an der Hinterwand des Tem- 
 i. pelchens ergibt den Namen Thutines IV. Demnach 
l; würde dies Werk in die ersten Zeiten nach Vertrei- 
jiä bung der Hyksos, in die Glanzepoche ägyptischer 
1!  Entwicklung, fallen. 
lj Den Pyramiden stehen an Alter zunächst die 
1 Felsengräber von B e ni  H a s s an in Mittel-Aegyp- 
 ten, eine Reihe mächtiger Aushöhlungen, welche 
  Grabkammern enthalten. Sie öffnen sich nach aussen 
    mit einer Halle, deren Stützen eine sonst in Aegypten 
   sehr seltene Gestalt haben. Von achteckiger Grund- 
 form und mit einer einfachen Platte überdeckt, schei- 
  nen sie einen Uebergang vom Pfeiler zur Säule zu 
 l bilden. Eine andere hier vorkommende Säulenform 
 ist seehzehnkantig mit ausgetieften Rinnen nach Art 
  des dorischen Säulensehaftes (Ihg. 26).  Man hat sie 
 deshalb wohl die pro todorisehe (vordorische) ge- 
Säule von Beni-Hassan. nannt. Nur die eine, dem Mittelgange zugekehrte 
Seite ist gerade, da sie die Flache für die Hiero- 
glyphenschrift bietet. Daneben findet sich auch die Pfianzensaule, die später 
zu besprechen ist.  Ausserdem scheint nur noch die ursprüngliche Anlage 
des Labyrinths, welches gleich dem ausgegrabenen Mörissee ein 
Werk König Amenemha II. ist, der Epoche des alten Reiches anzugehören.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.