Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1680578
Donklnläiler des alten Reiches. 
Als die Hyksos eindrangen und auf den Trümmern der alten Pharao- Pyramiden 
Den-Dynastie ihre Macht begründeten, scheinen nur wenige Denkmäler der w" Blempl"; 
Zcrstörungswuth der fremden Eroberer Trotz geboten zu haben. Unter ihnen 
sind die bedeutendsten und ältesten die Pyramiden von Memphisi"). 
An der Grenze des lachenden, fruchtbaren Nilthales und der ödenSand- 
wüste erheben sich diese ungeheuren Bauten gleich künstlichen Bergen, 
und fiössen durch ihr Alter, ihre räthselhafte Entstehung, ihre einfache 
Kolossalitat seltsames, mit Scheu gemischtes Staunen ein. Ihr streng in 
sich abgeschlossener, Fremdes abweisender, nur auf den eigenen Gipfel- 
punkt sich beziehender Charakter macht sie zu architektonischen Vertretern 
des eben so schroff in sich selbst gekehrten Wesens jenes Volkes. Die 
Pyramiden liegen in einer Ausdehnung von ungefähr acht Meilen in Gruppen 
zerstreut, welche nach den benachbarten Dörfern Ghizeh, Daischur, Meidun, 
Saccara benannt werden. Ihre Zahl beläuft sich auf ungefähr vierzig, und 
ihre Grösse variirt in vielen Abstufungen. Die grössten, welche der Gruppe 
von Ghizeh angehören und von den Königen Cheops (Chufu) und Chefren 
den Namen führen, haben eine quadratische Grundüäehe von über oder 
nahe an 700 , eine Höhe von fast 450 Fuss. In diesen Verhältnissen liegt 
es schon angedeutet, dass der Winkel, in welchem die vier Seiten oben 
zusammentreffen, ein sehr stumpfer, das 
Fis-  Ansteigen der Pyramide ein allmähliches 
 ist. Diese gewaltigen Bauten sind in 
  eompacter Masse aus grossen, bis zu 
  20 Fuss langen Bruchsteinen, zum Theil 
  auch aus Ziegeln aufgeführt und genau 
  nach den Himmelsgegenden gerichtet. 
  Das Volumen der einen Pyramide hat 
  man auf mehr als 74 Millionen Kubik- 
  fuss berechnet. Nur einige schmale 
    Gänse führen in den Kern derselben zu 
Pymmidmmlrdlschnüt einer kleinen Grabkammer , welche den 
Sarkolwhag des königlichen Erbauers 
birgt. Somit sind diese Pyramiden unstreitig die riesigsten Grabdenkmaler  
der Vvelß, von einem ganzen Volke von Selaven errichtet, um dem Ruhm- 
gelüst eines einzigen Despoten zu fröhnen. Dieser egoistische Zweck 
spricht sich auch in der starr abgeschlossenen, für die bauliche Entwicklung 
durchaus unfruchtbaren Form aus. Sind die Pyramiden daher immerhin 
ein Beweis für ein schon lange begründetes, fest gewurzeltcs Cultursystem, 
S0 zeugen sie doch zugleich von einer grossen Urthümlichkeit des Kunst- 
gefühls , das mehr im Aufthürmen von kolossalen, organischer Gliederung 
unfähigen Massen, als im Schaffen eines lebendigen architektonischen Or-  
ganismus seinen Ausdruck fand. Zwar waren die Pyramiden mit glänzenden 
Granitplatten bekleidet, allein dass dieselben erheblichen Sculpturschmuck 
gehabt hätten, steht im Allgemeinen zu bezweifeln. Auch der Eingang in's 
 Ü The pymmids of Gizeh bjCvl. Fownrrl Vyse. 3 Vols. Longlon 1839.  C. E. LPP-gium 
mriler aus Aegypten und Aethiopuzn. Abth. I.  Description de PEgypte. Antiquitäs. V01. V. 
Lü b ke, Geschichte d. Architektur. 4 
Denk-
        

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