Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1680561
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Erstes Buch. 
die Vorstellung von der Nichtigkeit und Vergänglichkeit des menschlichen 
Lebens und von der Fortdauer der Seele nach dem Tode, und daraus her- 
vorgehend der Cultus des Todes, so geläufig war wie den Aegjrptern. Daraus 
ergab sich die Macht des Priesterthums, das die vornehmste Kaste bildete. 
In den Händen der Priester war zugleich die Pflege der Wissenschaften, 
besonders der Geometrie und Astronomie, und durch die strenge Kasten- 
eintheilung, welche alle Einrichtungen des Lebens durchdrang, war die 
Erblichkeit jener Lehren und Kenntnisse gesichert. 
Die Religion des Volkes war zwar eine vielgötterige, aber in den 
Hauptgottheiten Isis und Osiris waren zunächst nur die natürlichen Erschei- 
nungen der Nilanschwellung symbolisch ausgedrückt. Im Uebrigen gesellte 
sich ein Thiercultus von ziemlich rohsinnlichem Gepräge hinzu , wie denn 
auch selbst den Göttern Thierköpfe gegeben wurden. Neben dieser allge- 
mein verbreiteten Lehre wird jedoch auch eine mehr philosophische Auf- 
fassung bestanden haben, die indess eine klare Ausprägung um so weniger 
gewonnen zu haben scheint, als die Geistesrichtung der Aegypter der phi- 
losophischen Speculation keineswegs günstig war. Für den vorwiegenden 
Trieb nach geschichtlichem Leben, so wie für das Bedürfniss bildnerischer 
'l'hätigkeit spricht die merkwürdige Erfindung der Hieroglyphen, in 
welcher ungefügen Schrift bedeutende Thaten und Ereignisse den Mauern 
der Denkmäler eingegraben sind. 
Aegyptens Geschichte reicht bis in die graueste Urzeit hinauf, bis zu 
Jahrhunderten, aus denen von keinem anderen Volke der Erde eine Kunde 
zu uns gedrungen ist. Eine etwa 2000 Jahre v. Chr. stattgehabte Eroberung 
durch ein fremdes barbarisches Nomadenvolk, die Hyks os, macht einen 
Einschnitt in die Geschichte des Landes, die danach als die des alten 
und des neuen Reiches sich theilt. Vor mehr als 3000 Jahren v. Chr. 
errichtete man schon die Kolossalbauten der Pyramiden, die dem alten 
Reiche von Memphis in Unter-Aegypten angehören. Die letzte Zeit, den 
Blüthenpunkt des alten Reiches, bezeichnen die Felsengräber von Beni- 
Hassan in Mittel-Aegypten und wahrscheinlich der als grosser Wasser- 
behälter ausgegrabene Mörissee. Die Herrschaft der-Hyksos wurde nach 
fünfhundertjährigem Bestehen von Thutmosis (Thutmes) III. durch einen 
langen Krieg gebrochen. Von da beginnt der Aufschwung des neuen Rei- 
ches, das unter Ramses Miamun, dem grossen Eroberer, der seine sieg- 
reichen Waffen bis in ferne Länder trug, seine glorreichste Zeit erlebte. 
Diese Epoche dauerte Jahrhunderte hindurch, bis etwa 1260 v. Chr. In 
dieser Zeit war Theben der Mittelpunkt der Herrschaft. Danach erlebte 
Aegypten mancherlei Schicksale, zuletzt eine Zwölfherrschaft, welcher 
Psammetich um 670 v. Chr. ein Ende machte. In seine Zeit fallen die 
ersten Beziehungen zu Griechenland, während Aegypten früher in strenger 
Abgeschlossenheit von fremden Einfiüssen sich fern gehalten hatte. Aber 
mit dem Verlassen jener Grundsätze, auf welchen die Kraft der nationalen 
Entwicklung beruht hatte, war das Zeichen zur inneren Auflösung gege- 
ben, welcher dann auch durch die persische Eroberung der äussere Verfall 
folgte.
        

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