Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1680551
FÜNFTES 
KAPITEL. 
gypti 
A 
ch 
B 
aukuns 
Allgemeines. 
 Wenn irgend ein Land unter dem Banne scharf ausgeprägter Natur- Das Land. 
bedingungen liegt, so ist es Aegylatcni). Durch einen Wall hoher Fels- 
gebirge von der afrikanischen YVüste getrennt, ertrotzt es seine Existenz 
Von dem verheerenden , alles Leben überdeckenden Sandmeere. Aber die 
Dürre des regenlosen Klimas würde das Land dennoch zur Unfruchtbarkeit 
Verdammen , wenn nicht die alljährlich wiederkehrende Anschwellung des 
Nils es mit einem Schlamm überzöge, welcher den Bewohnern als ergiebig- 
Ster Ackerboden dient. Diese Ueberschwemmungen treten, sobald die gewal- 
tigen Regengüsse des tropischen YVinters in den Hochgebirgen Afrikas begon- 
nen haben, mit einer merkwürdigen Regelmässigkeit ein , die auf die alten 
Aegypter nicht geringen Einfluss übte. Da alles Gedeihen von dem segen-  
spendenden Strome herrührte, so wurde es zunächst von Wichtigkeit, das 
periodische Wiederkehren der Anschwellung vorher zu bestimmen. Die 
Rechnenkunst bildete sich aus, zugleich wurde der Blick auf die Gestirne 
des Firmaments gerichtet, um nach ihnen die Zeit einzutheilen. Sodann 
über war es nicht genug, diese Zeit zu berechnen: man musste auch, wenn 
die Ueberschwemmung eintrat, den Strom des Wassers reguliren, dass er 
überallhin gleichen Segen bringe, während für die Städte schützende Damm- 
bauten nothwendig wurden. So übte sich die Bauthätigkeit der Bewohner, 
durch die Natur des Landes gezwungen, bereits frühzeitig in mächtigen 
Kanal- und Deichanlagen, die wie ein Netz über die Ufer des Flusses sich 
äusbreiteten. Hatte man aber auf diese Weise sich die Möglichkeit eines 
annehmlichen Daseins geschaffen, so strebte man auch danach, die Spuren 
desselben in bleibenden Denkmälern der Nachwelt aufzubewahren: es er- 
wachte der Sinn für historische Existenz. 
Noch einen tieferen Einfluss aber gewann der wunderbare, wohlthätige Charakter des 
Strom auf die Menschen, indem er ihnen das Bild einer strengen Regel und Volkes" 
Gesetzmässigkeit gab und sie selbst zu Ordnung und Regelmässigkeit an- 
hielt. Allen ihren Einrichtungen prägte sich dieser Geist festbegründeter 
Norm, die kein Irren und Schwanken kennt, ein, und der Volkscharakter 
erhielt eine scharfe, aber auch einseitige Ausbildung des Verstandes. Doch 
dürfte nicht jede Eigenthümlichkeit der alten Aegypter aus jenen Natur- 
bedingungen allein herzuleiten sein. Dieses merkwürdige Volk scheint einen 
allgebornen Sinn für ernste, würdevolle Auffassung des Daseins , für Be-  
trachtungen von weniger mystisch- speculativer , als praktisch-moralischer 
Färbung gehabt zu haben. Gewiss ist, dass keinem Volke des Alterthums 
t) Literatur: Dcscription de PEgypte. Antiquitäs.  0'. R. Lepsiulv. Denkmäler aus Aegylltßh und 
Apthiopien. Abth. I. Berlin 1849.  J. Rossellini. Monumenti delP Eg-itto e della Nubia- 3 VOIS- 
Plsa 1834-44.  G. Erbklun. Ueber den Gräbcr- und Tempelbau der alten Aegypter- BßY1in1352.  
Gau- Neuentdeckte Denkmäler von Nubien. F01. Stuttgart und Paris 1822.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.