Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1680546
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Erstes Buch. 
Giebel. Bisweilen finden sich bloss Pfeiler ohne Süulenstellungen; auch 
kommt wohl eine einzelne Mittelsäule zwischen den Pfeilern vor, doch dies 
nur ausnahmsweise, da der in der Mitte liegende Eingang dadurch verdeckt 
wird. Die Form dieser Säulen ist eine primitiv ionische, sowohl der Basis 
als auch dem Kapitale nach, Welches kräftig ausladende Voluten zeigt. Der 
Schaft erscheint meistens uncanellirt und mit massiger Verjüngung. Das 
Gebälk besteht aus dem ein- oder mchrtheiligen Architrav, über welchem 
eine Reihe vertretender Balkenköpfe ein zahnschnittartiges Gesims bildet. 
Der Giebel ist auf den Enden und der Spitze mit einfachen, derben Akro- 
terien gekrönt. Limyra, Telmissos, Antiphellos und Kyaneä- 
J aghu weisen derartige Denkmäler auf. An anderen WVerken dieser Gat- 
tung hat man sowohl in den Sculptirren wie in den architektonischen Details 
Anklänge an persische Kunstforlnen wahrgenommen. 
 Ein vollständiger Freibau hatte sich zu Xanthos erhalten, bis er 
  neuerdings in's britische Museum zu London übertragen wurde. Man hat 
besonders aus den Sculpturen, mit Welchen dieses Werk geschmückt war, 
in ihm das D enk mal des Harpago s erkannt. Auch hier macht sich in 
der ganzen künstlerischen Ausprägung der Einfluss ionischer Sinnesweise 
bemerklich. 
Alter du" Die Frage nach dem Alter der kleinasiatischen Monumente kann , so 
Liomlmenlp" lange die Inschriften derselben noch unentziffert bleiben, nur annäherungs- 
weise, zumeist aus dem Charakter der Bildwerke, beantwortet werden. Die 
primitiven Grabhügel Lydiens mögen leicht bis zu den Zeiten des Gyges 
(c. 700 v. Chr.) und Alyattes (Müdößß) hinaufreichen. Darauf folgen, 
wohl noch dem sechsten J ahrh. angehörig, die phrygischen Grabmäler, die 
durch ihre naive Behandlungsweise jedenfalls ein höheres Alter beanspru- 
chen dürfen, als die ohne Zweifel erst dem fünften, vierten und dritten 
Jahrh. zuzuschreibenden lycischen WVerke. Darauf dringen die Formen der 
feiner ausgebildeten hellenischen Kunst mehr und mehr in die Bauweise 
Kleinasiens ein und lösen die ursprüngliche Besonderheit des nationalen 
Styles um so leichter auf, als derselbe, wie wir gesehen, aus eigener schöpfe- 
rischer Kraft ohnehin nicht zur consequenten Ausprägung eines in und für 
das Steinmaterial erdachten baulichen Organismus gelangt zu sein scheint. 
Bedeutung Als wichtige Momente für die baugeschichtliche Würdigung haben 
Degifäärlen wir indess an den Bauten Kleinasiens alle" jene Einzelformen hervorzuheben, 
welche, in Verbindung mit manchen Details babylonisch-assyrischer und 
persischer Kunst, eine Gleichartigkeit wenn auch nicht des baukünstleri- 
sehen Genius überhaupt, so doch des Formengefühls bei all diesen west- 
asiatischen Völkergruppen bekunden. XVir werden später in der griechisch- 
ionischen Bauweise die reife Frucht kennen lernen, in welcher das verwandte 
Streben seinen edelsten, höchsten, geläuterten Ausdruck gewann. 
Harpagos- 
Denkmal. 
Alter der 
Monumente.
        

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