Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1680538
Viertes Kapitel. 
Kleinasiatische Baukunst. 
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erhebenden, unseren Koffern am meisten zu vergleichenden Sarkophag. 
Auch hier lässt sich die bewusste Nachbildung der Holzconstruction nicht 
verkennen, die selbst im Inneren das Balkengefüge deutlich naehahrnt. Die 
vorzüglich charakteristische Form erhalten diese Denkmäler durch den als 
steiles, gebogenes Giebeldach gestalteten Deckel, an welchem das Balken- 
und Lattenwerk des Holzbaues charakterisirt wird. Auf dem Gipfel erscheint 
ein bekrönendes Glied, an den Seiten werden knaggenartige Vorsprünge 
ausgemeisselt und manchmal als Löwenköpfe gestaltet". 
Die andere Gattung der lyeischen Gräber, Welche sich durch vollstän- GYRlJfHQQLlQTI. 
dige Felsfaeaden charakterisirt, ahmt die Holzconstructionen des Block- 
hausbaues nach (Fig. 23 a). Die nach oben gekrümmten oder an den Enden 
verstärkten Zangen der Schwellen, das ganze Balkenwerk mit allen Einzel- 
heiten des Holzverbandes, mit den Rahmen, Pfosten, Riegeln und Kämmen, 
das Alles ist mit so selavischer Genauigkeit in den Felsen übersetzt, dass 
man versteinerte Blockhäuser vor sich zu sehen glaubt. Nach oben sind sie 
entweder horizontal geschlossen, oder durch einen vorspringenden Giebel 
bekrönt, unter welchem in decorativer Weise eine Art von Gesims in Form 
vorspringender, dicht an einander gereihter Querhölzer erscheint. Solche 
Grabfacaden Endet man bei den meisten altlyeischen Ortschaften, so zu 
Myra, Telmissos, Xantlios, Phellos, Antiphellos u. A., oft 
massenhaft über und neben einander eine hohe Felswand bedeckend. 
Haben wir an all diesen kleiuasiatisclien Werken zwar einen lebendig IßHiSCh-lyvi- 
erwachten Kunstsinn kennen gelernt, der aber theils über die primitivste  
Form der Bethätigung nicht liinauskani, thcils in den Fesseln einer mecha- 
nischen Nachahmung gefangen blieb, welche, weil ihr diebei allem tektoni- 
schen Schaffen so unerlässlichen Grundbedingungen des bestimmenden 
Pi". u Materiales fremd waren, es nur zu 
(Q jäh, xrw  I" Werken _von untergeordnetem und 
,m1fjti'f._li'  "r xi  zwar lediglich decorativem Werthe 
    brachte, so werden wir nun einer Reihe 
  verwandter Denkmäler, ebenfalls auf 
 lylrleiscläem äodeg, begegnen, in wer]- 
 ßi-ß. 4;! l." Ü  .1,   1h c en, ei a em esthalten an ewissen 
  heimischen 'l'raditi0nen, doehgein Ele-  
      ment höheren künstlerischen Gestal- 
    W   tens her-vertritt. _Hierin haben wir 
    b  " Ohne Zweifel Einflüsse der benach- 
   Qqtfgäl] 13   "W33.  " bartell, Schon damals auf einer ver- 
 g     "  hältnissmässig hohen Culturstufe ste- 
 1'   ritt?  lienden ioniselien Griechen Kleinasiens 
f   1    zu erkennen. Die Anlage dieser Grab- 
 ,  "z;  denkmäler schliesst sich im Wesent- 
    lieh d h "h F ls- 
 M"   611 en vor er erwa nten er  
7"'lj x x x) n; grotten an, nur dass die 14 acade sich 
Ioniseli-lycische Grabfagade. Telmissos. durfzh Aufnahme des säulenbaues 
völlig anders gestaltet. Sie sind ent- 
Weder kräftig im Relief ausgemeisselt oder erweitern sich, bedeutender vor- 
SPYingend, zu vollständigen Portiken (Fig. 24). Auf kräftigen Eekpfeilern 
und zwei von ihnen eingeschlossenen Säulen ruht das Dach mit seinem
        

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