Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1680494
VIERTES 
KAPITEL. 
Kleinasiatische 
Baukunst 
Kleinasien war in früher Zeit schon der Schauplatz einer reichen und 
mannichfachen Culturentwicklung. Auf drei Seiten vom Meere umflossen 
und von fruchtbaren, anmuthigen Inseln umgeben, unter einem der schön- 
sten Himmelsstriche, der alle Bedingungen eines höheren Daseins in 
Fülle gewährt, musste das Land durch seine vorgeschobene Lage, durch 
die ausgedehnte Küstenbildung, durch die nahe Verbindung mit dem Orient 
und Occident bald zur Ansiedlung locken. Es fanden denn auch von allen 
Seiten frühzeitig Einwanderungen statt, sowohl von arischen und semiti- 
sehen, als auch von thracischen und griechischen Stämmen, die zumeist an 
den Küsten und auf den Inseln sich ansiedelten und den Grund zu einer 
mannichfaltigen Cultur legten: Die weit ausgedehnte und durch Buchten 
reich gegliederte, auf Handel und Schifffahrt hinweisende Küste, ferner 
die Durchschneidung und Zerstückelung des Landes durch eine Anzahl 
meist parallel laufender Gebirgszüge, verbunden mit der ursprünglichen 
Verschiedenheit der Abstammung, beförderte eine Isolirung der einzelnen 
(Jolonistengruppen und bewirkte somit eine gewisse Mannichfaltigkeit der 
Culturentwicklung. 
Während nun an der West- und Nordküste sowie auf den umgebenden 
Inseln die griechischen Ansiedler eine Reihe von selbständigen Staaten 
bildeten, treten in historischer Zeit ausserdem als Hauptstärnrne die Phryger, 
Lyder und Lycier uns entgegen. Die Phryger hatten den mittleren, durch 
waldreiche Hochebenen ausgezeichneten Bezirk inne; westlich neben ihnen 
sassen in der vom Mäander durchströmten Landschaft die Ly der; an der 
Südküste hatten sich die Lycier angesiedelt. Ausserdem finden wir nörd- 
lich von den Lydern die Myser, und südlich von ihnen die Karer, 
Alle diese Völkerschaften wurden allmählich, von Beginn des siebenten 
Jahrhunderts an, "durch die immer mächtiger und reicher gewordenen Lyder 
unterjocht. König GygßS (um 700 v. Chr.) begann den siegreichen Kampf 
mit den Nachbarstaaten , der durch seine Nachfolger Ardys, Sadyattes und 
Alyattes beendet wurde. Es erhob sich das mächtige lydische Reich mit 
seiner prachtvollen Hauptstadt Sardes, und als dem Nachfolger des Alyattes, 
dem berühmten Krösus, auch die Unterwerfung der bisher frei gebliebenen 
kleinasiatischen Griechen gelang, hatte die lydische Macht ihren Gipfel- 
punkt erreicht. Aber schon um 550 erlagen die Lyder dem siegreichen 
Vordringen des Cyrus, der ganz Kleinasien seinem Scepter unterwarf. Mit 
Alexander dem Grossen (331 v. Chr.) erlosch der Glanz des persischen 
Reiches. Griechische Cultur drang im Gefolge seiner Siegeszüge ein und 
erhielt sich in ihrer späten Nachblüthe selbst während die welterobernde 
Macht der Römer auch diese Gebiete unter ihre Herrschaft beugte. 
S0 weit bis jetzt unsere Kenntniss der kleinasiatischen Denkmäler 
Das Land. 
Die Volks- 
stämme. 
Geschichte. 
Rvste von 
blauem.
        

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