Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1680472
Drittes Kapitel. 
Persische Baukunst. 
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wcsen, scheint jedenfalls mit dem Pomp des Hofes zusammenzuhängen. 
Aus der freien, grossartigen Anlage des Ganzen, sowie besonders aus dem 
Inhalt der Reliefdarstellungen darf man mit hoher XValn-scheinlichkeit 
schliessen, dass dieser verschwenderische Bau gewissen feierlichen Cere- 
monien , Tributdarbringungen und Völkergesandtsclmaften als Schauplatz 
diente, dass in ihm die königliche Würde sich gleichsam architektonisch 
repräsentirte, dass er, im Stammlande Persis gelegen und in unmittel- 
barer Verbindung mit den alten Grabstätten der Könige, ein Nationalheilig- 
thum war.  
Was den Baustyl anlangt, so ist die terrassenartige Anlage zunächst Styl. 
bemerkenswerth. Doch hat sie weder das Wüst-Verworrene indischer 
Pagoden, noch das Gedruckt-Schwere babylonischer Pyramiden: frei und 
heiter stellt sie sich dar in freier, heiterer Naturumgebung, imponirend 
durch ihre riesige Ausdehnung, aber erhebend durch das Anmuthig-Edle 
ihrer Durchbildung. Sodann ist die schlanke, luftige Form der Säulen be- 
sonders charakteristisch. Bei 55 Fuss Höhe haben sie kaum 4 Fuss im 
unteren Durchmesser; den straffen, etwas verjüngten Stamm umgeben rin- 
neuartige Vertiefungen (Kanelluren) , die, wie in der griechisch-ionischen 
Architektur, durch Stege getrennt sind. Die Basis besteht aus einem oder 
mehreren runden Wulsten, zu-denen ein geschwungener, mit Lotosblättern 
besetzter, sehr schlanker Ablauf sich gesellt. Das Kapital wird grösstentheils,  
wie bei den Facaden der oben betrachteten Felsengräber, aus zwei Stieren  
oder Einhörnern gebildet, zwischen deren Rücken man sich das Gebälk des 
Oberbaues zu denken hat (Fig. 19). Diese Form , obgleich ziemlich phan- 
tastisch, hat nicht allein etwas symbolisch Bedeutsames, sondern musS 
auch für das feste Zivischenaufliegen der Balken höchst zweckrnässig ge- 
wesen sein. Bizarr und unpraktisch zugleich erscheint dagegen eine andere 
Form (Fig. 20), die sich banchig zusammenzieht, am oberen engeren Ende 
von einem Bande zusammengefasst und ganz von herabfallenden Lotos- 
blattern bedeckt. Darüber folgt ein kelehförmig aufknospendes Glied, mit 
Perlensehnüren deeorirt, auf welches endlich ein seltsam mit aufrecht- 
stehenden Schnecken (Voluten) gezierter Theil sich legt. Dies Ganze hat e 
etwas Zerbreehliches, Unsolides. Dass das auf den Säulen ruhende Gebälk 
sammt denl übrigen Oberbau ohne Zweifel kein steinernes, sondern nur ein 
hölzernes, wahrscheinlich reich mit kostbarem Metall umkleidetes war, 
beweist die ungemeine Schlankheit der Stützen und der weite, an 30.Fuss 
betragende Abstand derselben von einander. Zudem hat man keinerlei 
Spuren eines steinernen Oberbaues auffinden können, und selbst der Ver- 
schluss der Hallen scheint nur durch ausgespannte Teppiche bewirkt worden  
zu Seim ßie Portale und Thüren haben eine rechtwinklige Umfassung, die 
durch ein kräftig wirkendes Gesims bekrönt wird. Ueber einem schmalen, 
mit dem Perlenornamente bekleideten Heftbande erhebt sich eine hohe, 
 stark vertretende Kehle, mit mehrerenzReihen von Lotosblättern geschmückt 
und durch eine Platte überdeckt.  
Fragt man nach der Entstehung der persischen Architektur, so scheint Fremde Ein- 
es unleugbar, dass starke Einwirkungen des griechisch-ionischen Styles,  
wie er in Kleinasien sich ausgebildet hatte, stattgefunden haben- Dafür 
Sprechen das steinerne Giebeldach" am Grabmal des Cyrus, sowie die
        

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