Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685618
Viertes Kapitel. 
Baukunst im neunze 
Jahrhundert. 
hnten 
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So wenig nun auch die griechischen Formen für die Bedürfnisse unserer wenn llüf 
Zeit ausreichen, eine so unvergängliche Errungenschaft ist darum doch ihre  
durch Schinkel vollzogene Wiedereinführungßids Leben. Nur an einem so 
streng und einfach organischen Styl vermochte die Architektur endlich 
wieder zum Gefühl des Organischen, zur Uebereinstimmung von Inhalt und 
Form, zur klaren, zweckentsprechenden Gestaltung des Details und der 
Gliederungen zu gelangen. Diese ernste Schulewar unerlässlich und hätte 
durch keine andere ersetzt werden können. Dass sie auch weiterhin schon - 
wirksam geworden ist, beweist das Beispiel anderer Architekten wie Sem- 
per (Theater- und Museumsbau zu Dresden) , welche für die Erforder- 
nisse des heutigen Daseins den Renaissancestyl am geeignetsten finden, die 
Detailformen desselben jedoch durch griechische Bildungsweise zu veredeln 
und zu läutern suchen. In diesem Geist ist manches Bedeutungsvolle ge-  
schaffen worden- 
Jener antikisirenden _Richtung trat aber bald eine wesentlich verschie- Runmntilicr 
dene entgegen, die man als romantische bezeichnen kann. Sie hängt 
mit dem Aufleben deutscher Gesinnung in Folge der Freiheitskriege, mit 
dem Studium altdeutscher Dichtung und Kunst, mit der Literaturepoche 
endlich, welche als die Epoche der Romantik bekannt ist, innig zusammen. 
Ihr verdanken wir, so unklar auch im Anfang ihr Streben war, die Bekannt- 
schaft mit den grossen Bauwerken des Mittelalters, welche im vorigen Jahr- 
hundert vergessen und verachtet dastanden. Das Studium derselben wurde 
mit Begeisterung aufgenommen, und bald versuchte man sich in künstleri- 
scher Reproduction der gothischen und romanischen Formen. Von grosser ßhiuciu... 
Bedeutung war in dieser Hinsicht die Regierungszeit König Ludwigs von Wlifllglfjilij"? 
Bayern. Die von Olelmüller im gothischen Styl erbaute Mariahilfkirche in D. 
der Vorstadt Au (1831-1839) ist ein im Ganzen recht erfreuliches Werk 
in dieser Richtung. Aber indem man die Style fast aller Epochen übte, den 
byzantinischen in der Allerheiligen-Hofkapelle, den italienisch-romanischen 
in der Ludwigskirche, den strengen Basilikenstyl in der Bonifaziuskirche, 
den gothischen Burgenstyl im WVittelsbacher Palast, den dorischen in der 
Ruhmeshalle, den ionischen in der Glyptothek, den korinthischen im Aus- 
stellungsgebäude u. s. w., entstand ein unruhiges Durcheinander der hetero- 
gensten Baufgrmen, der werkthätigen Uebung zwar ein willkommener Tum- 
melplatz, dem Auge aber eine Qual und der wirklichen Förderung der 
Architektur nicht nach Maassgabc der aufgewandten Mittel entsprechend. 
Die Mehrzahl dieser Bauten wurde durch L. v. Klenzc und L, q;_ Gärtner 
ausgeführt. 
Solchem kaleidoskopischen Wirken gegenüber haben sich im Lauf der lilitlllllllgj 2m 
letzten Dezennien strengere Richtungen herausgebildet, die gleichsam eine  
zweite Epoche der wissenschaftlich geläuterten Romantik vertreten. Hier   
steht die neuere Münchener Schule mit einem entschieden romanischen 
Gepräge oben an. Besonders der Privatbau bietet ihr ein weites Feld der 
'l'hätigkeit dar. Im Gegensatz zur Berliner Schule ist ihr im Allgemeinen 
ein lebendiges Gefühl für Massenwirkung und gute Eintheilung der Facaden 
eigen; allein damit verbindet sich eine gewisse Rohheit der Empfindung im 
Einzelnen, so dass eine feinere Durchführung meistens vermisst wird und 
das Detail zu schwerfällig erscheint. Mit nicht geringem Eifer hat neuer- 
dings in Hannover Cine Anzahl in München gebildeter Architekten diese
        

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