Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685580
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Sechstes Buch. 
Nürnberg. J. 1590 ist das Toplefsche Haus am Panierplatz in Nürnberg, mit 
hohen Giebeln, zierlichen Erkern, Halbsäulen, die sich fialenartig erheben, 
Danzig. undrundbogigen Fenstern.  Eine besonders brillante und mannichfaltige 
Entwicklung hat der Privatbau in D anzig erlebt. Man findet in den 
älteren Theilen der Stadt eine Menge reich geschmückter Facaden, von 
durchaus mittelalterlichem Aufriss, aber mit antikisirenden Pilasterstellun- 
gen decorirt. Das Innere ist durch malerische Treppenanlage, schöne Säle 
 mit prächtig geschnitzten oder in Holz ausgelegten und gemalten Decken 
anziehend. Es begegnet hier oft die pikante Verbindung von mittelalterlichen 
Netzgewölben mit toskanischen Säulen, Zahnschnitt- und Eierstabgesimsen. 
äraunsclnvcig.  Eins der brillantesten derartigen Werke in ganz Deutschland ist der im 
J. 1589 begonnene westliche Giebel des Gewandhauses zu Braun- 
schweig, wo die antiken Formen in phantastischer Willkür dem nordi- 
sehen Hochbau in vielen gedrückt niedrigen Stockwerken angepasst sind. 
Ilmwuver- Aehnlich, nur mit geringerer Flächengliederung zeigt sich das aus dem 
17. Jahrh. stammende Leibnitz -Wohnhaus in Hannover, ein brei- 
tes, hohes Giebelhaus, reich mit Decorationen im Barockstyl bedeckt und 
mit einem malerischen Erker geschmückt. Der neuerdings abgebrochene 
Apothekenflügel des dortigen Rathhauses vom J. 1566 war ein inter- 
essantes Beispiel von der zierlichen Weise, mit welcher dieser Styl auch 
Lelngv- den Fachwerkbau zu behandeln wusste. Andere reich ausgebildete Privat- 
blinden. häuser dieser Gattung finden sich in L emgo.  Von eleganter Zierlichkeit 
ist das jetzige Kreisgerichtsgebiiude zu M in den, ein hohes steinernes 
Giebelhaus, dessen Facade in sechs Stockwerken mit fein canellirten Halb- 
saulen ausgestattet ist; auch Münster weist ein in der Nähe des Rath- 
hauses gelegenes Haus mit ungemein graciösem Erker in brillanter Barock- 
 decoration auf. 
Kirchcnhau. Minder zahlreich ist jene Art des Kirchenbaues, welche in ver- 
wandter Weise bei den mittelalterlichen Traditionen verharrt und die gothi- 
sche Construction nur mit Renaissanceformen bekleidet. In dieser Richtung, 
die mit besonderer Zähigkeit sich unberührt von dem mehr akademisch- 
klassischen Styl der gelehrten Architekten zu erhalten weiss , ist offenbar 
KifChenlll ein vorwiegend volksthümliches Element enthalten. Hierher gehört als eines 
Wolfenbuttel" der interessantesten Beispiele aus dem 17. Jahrh. die Kirche zu Wolf en- 
büttel, ganz in gothischer Anlage erbaut, aber mit brillantestem barocki- 
sirtem Masswerk der Fenster und sonstiger Decoration desselben Styles._- 
Jcsuitenkir- Verwandter Richtung folgen die Jesuitenkirchen zu Koblenz, von 1609 
Cäfßsf] bis 1615 erbaut, zu Köln, von 1621 bis 162!) , grossartig disponirt und 
glänzend ausgestattet, und zu Bonn vom J. 1700, einfacher, aber von 
stattlichem Eindruck und mit zwei Westthürmen versehen.  Die Thü rme 
errichtete man, ebenfalls nach gothischem Princip , schlank und mit hoher 
Spitze, allein letztere unterbrach man mit einer oder mehreren kuppelartigen 
Ausbauchungen, die nichts weniger als harmonisch oder schön sich dar- 
Ratlihaus- stellen. Doch gibt der nach 1556 erbaute Thurm des Rathhauses zu D an- 
tgligflfijfl zig mit seiner luftigen Verjüngung in mehreren vergoldeten Kuppelchen 
a und seiner feinen Spitze ein Beispiel von Zierlichkeit und schlanker Grazie 
selbst bei wunderlich entarteten Einzelformen. 
Strengere Diesen mannichfach germanisirenden Bestrebungen gegenüber kam seit 
ll"nalssan"e' dem Ende des 17. J ahrh. an mehreren Orten, begünstigt durch fürstliche
        

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