Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1680436
Drittes Kapitel. 
Persische Baukunst. 
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zweifelhaft als Grabmal des Cyrus anzusehenf), beim Volke als Grab 
der Mutter Salomons  gilt. In sieben kolos- 
salen Stufen steigt terrassenartig ein mächtiger viereckiger Unterbau auf, 
dessen unterste Platte 43 Fuss Länge bei 37 Fuss Breite misst. Den Gipfel 
krönt ein oblonges Gebäude, Ql Fuss lang und 161]? Fuss breit, das, von 
einem schrägen Steindache bedeckt, einem kleinen Hause gleicht. Eine 
Schmale Thür führt an der Vorderseite hinein. Das ganze Gebäude, mit 
Einschluss des Untersatzes, ist aus ungeheuren Blöcken von schönem weis- 
sen Marmor, die durch eiserne Klammern verbunden sind, aufgeführt, einige 
vierzig Fuss hoch. Es ist ein wahrhaft königliches Grabmal, imposant durch 
seine hohe Einfachheit. Ausserdeni umgaben vierundzwanzig Rundsäulen, 
jede in einem Abstande von vierzehn Fuss von der anderenf den Bau, von 
denen nur noch die Reste der zcrtrümmerten Schäfte ihren Platz bewahrt 
haben. Das Grab stand ehemals in einem wohl angepflanzten, wasserreichen 
Haine, den viele Bäume zierten und hohes Gras bedeckte. Der Hain ist 
zerstört und das Innere des Grabes seines Inhaltes beraubt. Verschwunden 
ist der goldene Sarg, der die Ueberreste des grossen Eroberers barg, ver- 
schwunden der goldgezierte Sessel, der dabei stand, sammt den Pracht- 
gewändern, Kleinodien, edelsteingeschmückten Säbeln und den kostbaren 
babylonischen Teppichen, Welche die Wände umkleideten. Noch sieht man 
drinnen die Spuren von den gewaltsam herausgerissenen Haken, an denen 
letztere befestigt gewesen; sonst ist das 7 Fuss breite, 10 Fuss lange und 
S Fuss hohe Grabgemach leer, der glänzende Marmor von der Zeit geschwärzt. 
Wesentlich verschiedene Anlage zeigen die Königsgr ab er, die manKönisSgräbEr- 
einige Meilen von dort in "derselben Thalebene, unweit Merdasht, findet. 
ES sind Grabkammern , die in den Felsen gemeisselt sind, imzugänglich, ' 
da sie nur von oben her an verborgenen Stellen 
Fig- 16- zu betreten waren. Die vordere Felsenfläche ist 
senkrecht bearbeitet und mit Reliefs bedeckt, 
welche für die Kenntniss des architektonischen 
 Systems der Perser wichtig erscheinen, da sie 
 25g die Facade eines Gebäudes andeuten. Schlanke 
 lmiiiiiiiiiiiii", Halbsäulen sind unten aus dem Felsen hervor- 
  gearbeitet, deren Kapitale eine höchst phan- 
1 i  tastische Form zeigen. Es sind die Vorderleiber 
  L zweier Thiere, meistens des fabelhaften Ein- 
, L   horns, zwischen deren Nacken, da sie nach den 
Persische Gebälkordnunv. entgegengesetztfzn Selten Schauen" ein angedeu_ 
von den Königsgräbemi tetes Gebälk sichtbar wird , das offenbar die 
 Querbalken bezeichnen soll. Auf diesen ruht 
ein Architrav, der nach der Weise des griechisch-ionischen dreifach geglie- 
dert ist, und unter seiner Deckplatte eine Art vonlahnschnittfries zeigt. 
In der Mitte ist eine blinde Thür angebracht mit geradem Sturz und kräftig 
gegliedertem Deckgesims. Ueber der Säulenordnung ist ein an den Ecken  
VOn aufreehtstehenden Einhörnern eingefasster thronartiger Bau ausgemeis- 
Seit, auf welchem die Gestalt. des Königs opfernd vor einem Feueraltare 
Sichtbar wird. 
 Nach H. Weiss" Kostümkunde S. 
desjüxxgeren Cy:
        

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