Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685514
Drittes Kapitel. 
Renaissance in den übrigen Ländern. 
543" 
lieh üppigen Schöpfungen, welche Maurisches, Gothisches, Antikisirendes 
mit keckem Sinn vermischen und daraus einen neuen Decorationsstyl, den 
sogenannten Plateresken (Goldschmiede-) Styl, von hohem phanta- 
stisch-poetischen Reiz, voll frischen, strömenden Lebens erzeugen, erkennt 
man den Reflex der glänzenden Blüthe jenes Landes zur Zeit Karl V. Es 
pulsirt ein Hauch derselben glühenden Leidenschaft darin, der so_ hinreis- 
send aus Murillds Gemälden uns ergreift. Den höchsten Luxus, mit wahr- 
haft unglaublichen , stets auf's Neue überraschenden Combinationen , hat 
dieser Styl in den Säulenhöfen der Paläste und Klöster entfaltet, während 
man gleichzeitig und noch bis in's 16. J ahrh. bei Kirchenbauten mit gutem 
Bewusstsein am gothischen Styl festhielt, wie es die Kathedralen zu Sala- 
manca vom J. 1512 und zu Segovia von 1525 beweisen. Das Collegium 
S. Gregorio zu Valladolid, das Hospital S. Cruz _zu Toledo, der 
Kreuzgang von S. E n gr a c i a zu S ar a g o s s a sind Beispiele solcher klöster- 
lichen Bauten. Von Palästen nennen wir den Palast Infantado zu Gua- 
dalaxara, die Casa de Miranda zu Burgos, den Palast Monterrey 
zu Salamanca. 
In der Folgezeit drang die italienische Architektur unter dem Namen 
des kl a s si s c h e n S ty le s ein, der jedoch einen eigenthümlich düster- 
feierlichen Charakter annahm. Aus Karl V. Zeit gehört hierher der unvoll- 
endet gebliebene Palast neben Alhambra" zu Granada, aus Philipp II. 
Tagen das grossartige Kloster S. L orenzo im E scorial, erbaut von 
1563 bis 1584- , aus dessen gewaltigen, ernsten Massen der finstere Geist 
seines königlichen Erbauers spricht.  
Auch in Frankreich?) tritt eine Frührenaissance auf, die jedoch 
dem glanzvollen Reichthurn der spanischennicht gleichkommt, dagegen 
die Grundzüge der vgermanischen Renaissanceu scharf und pikant ausprägt. 
Manche Bauten zeigen hier die Vermischung gothischer und antikisirender 
Formen in origineller Weise. Eins der brillantesten Beispiele dieser Art 
ist die 1532 begonnene Kirche S. Eu stache zu Paris. Unter den Schloss- 
bauten verdient besonders das malerisch reiche Schloss zu Chamb ord, 
seit 1523 erbaut, Erwähnung. Hier tritt besonders das hohe mittelalter- 
liche Dach, die reiche, mannichfaltige Thurmanlage, das bunte Spiel wun- 
derlich geformter Kamine mit den antiken Decorationsformen in eine eben 
so naive als pikante Verbindung.  Eine entschiednere Aufnahme des 
italienischen Styles wurde indess schon seit Franz I. angestrebt, und vor- 
züglich in den königlichen Bauten weitergebildet. Einer der ausgezeichnet- 
sten Architekten dieser Richtung ist Pierre Lescot (1510-1575) , der seit 
1541 die stattliche We stfacade des L ouvrehofes aufführte; sodann 
Jean Bullant mit seinem um 1540 für den Connetable de Montmorency in 
streng antikisirendem Sinn erbauten Schlosse zu E couen, von dem wir 
unter Fig. 445 einen Theil vom Porticus des Hofes beifügen; auch Phili- 
bert Delorme (f 1577 oder 1578), der 35118 für Diana von Poitiers das 
Schloss Anet, und später, 1564, mit Bullant die Tuilerien begann," 
gehört hierher. Letztere (vgl. Fig. 446) zeigen die antike Formbildung be- 
reits in der vollen Entartung des sinkenden Styles , wie besonders die 
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Aufnahmen in. Gailhxabaurläv De;
        

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