Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685499
Drittes Kapitel. 
Renaissance 
in den übrigen Ländern. 
Deckenverkleidung der Pantheonsvorhalle zerstört. Hier wagten vielleicht 
zuerst die gewundenen Säulen, die gebrochenen Giebel, die geschweiften 
Linien in rücksichtslosester Consequenz sich zu zeigen. In anderen Wer- 
ken Berninfs bricht durch die Aeusserlichkeit seiner Decorationsweise doch 
ein mächtiges Lebensgefühl, ein Sinn für bedeutende Verhältnisse hervor. 
Die Kirchenfacaden dieser Zeit sind fast immer als antike 'l'empelhalle 
mit einer Säulenstellung decorirt, allerdings ganz willkürlich , doch bis- 
weilen von einer tüchtigen räumlichen Wirkung. Die Kuppeln werden mög- 
lichst hoch gebildet, auch die Tonnengewölbe der Kirchen durch eine über 
den Pilastern angeordnete Attika höher gelegt.  An den Palästen 
treten keine wesentlich neuen Gedanken auf. Doch herrscht auch hier der 
Sinn für weite , hohe Räume vor und macht sich namentlich in der Anlage 
stattlicher Treppen geltend. Eine der imposantesten Treppenanlagen dieser 
Zeit ist Berninis Scala. regia im Vatican. Die Höfe werden öfter mit 
Wänden geschlossen, die mit Pilastern decorirt sind , oder sie erhalten auf  
der einen Seite eine grandiose Loggia, wie im Pal. Mattei zu Rom von 
Carlo Jlladeroza; bisweilen finden sich aber auch noch Säulenhöfe von schö- 
nen, einfachen Verhältnissen, wie der unter F ig. 444 abgebildete des Palast 
Borghese in Rom, erbaut von Jllartino LungluT dem Aelteren; doch 
kuppelt man hier die Säulen paarweise, um weitere und höhere Hallen zu 
erzielen.  Der Nebenbuhler Berninfs, Francesco Borromini (1599-1 667), F. Borrbmini 
brachte die Entartung der Architektur auf's Aeusserste. Seine Facaden wie 
seine Grundrisse vermeiden die geraden Linien nach Möglichkeit und be- 
wegen sich im wilden Durcheinander auswärts und einwärts geschwungener 
Curven , so besonders an dem Thurm von S. Agnese zu Rom u. a. In 
ihm fand die Zeit ihren prägnantesten Ausdruck, sein, Beispiel wurde daher 
überall nachgeahmt, und die Welt mit den widersinnigsten architektonischen 
Gebilden angefüllt. 
DRITTES 
KAPITEL. 
Die Renaissancein 
den übrigen Ländern. 
In den ausseritalienischen Ländern hielt sich der gothische Styl in Festbultenam 
seiner theils reich decorativen, theils nüchternen Entartung fast durchweg gom 5mm 
bis in's sechzehnte Jahrhundert, ja in manchen Gegenden bis in die zweite 
Hälfte desselben. Das germanische Volksthum einerseits, die nordische 
Natur andererseits schien zu innig mit ihm verwachsen zu sein. Doch drang 
im Laufe des sechzehnten Jahrhunderts hin und wieder ein Renaissance- 
anklang ein, der Sich Zuerst in naiver Verbindung mit der gothischen Weise  
mischte und einen eigenthümlichen Styl erzeugte, den man die germa- Gcrlnanische 
nische Renaissan ce nennen könnte. Sein Wesen besteht darin, dass Re"aissa""e'
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.