Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685410
Zweites Kapitel. 
ljenaissaxxce in Italien. 
533 
Tode ausgeführt. Ihre ungeheueren Dimensionen, ihre eben so schlanke 
als gewaltige Form, das herrliche Profil, das imposant sich bis zur krönen- 
den Laterne aufschwingt, Stadt und Umgegend weithin beherrschend, 
machen sie zu einem XVunder der Baukunst. Von kräftig elastischer Wir- 
kung ist die Belebung des Tambours durch gekuppelte Säulen mit vorge- 
kröpftem Gebälk. Für das Innere, wo eine Pilasterstellung angeordnet ist, 
macht das massenhaft durch ihre grossen Fenster einfallende Oberlicht den 
bedeutendsten Eindruck._ Leider wich Carlo Jllademza (seit 1005) wieder 
von Michel Angelds Plan ab und führte das jetzige Langhaus aus, auf 
dessen perspectivische Wirkung die Kirche gar nicht angelegt war, und das 
auch dem Aeusseren, besonders der Facade, nachtheilig wurde. Die letzte 
Hand legte endlich Bernini (seit 1629) an den Bau, indem 1er ihm zwei 
Glockenthürme an der Fagade zudachte , von denen jedoch der eine unaus- 
geführt blieb, der andere wieder abgetragen wurde. Endlich, erst 1007, 
baute er die berühmten Doppelkolonnaden, durch deren einfache Gross- 
artigkeit und elliptische Grundform der Eindruck der Facade bedeutend 
gesteigert wird.  Nach allen diesen Schicksalen hat S. Peter jedenfalls 
den unbestreitbaren Ruhm, die grösste Kirche der Welt zu sein , denn der 
Flächeninhalt beträgt 199,920 Par. Quadratfuss, während der Dom in Mai- 
land 110,808, S. Paul in London 102,620, die Sophienkirche in Constan- 
tinopel 90,864, der Kölner Dom nur 69,400 Quadratfuss misst. Wer aber 
die Schönheit anderswo als in den Maassen sucht, der wird bei den stau- 
nenswerthen Mitteln, welche hier aufgewandt , den kolossalen Kräften , die 
in Bewegung gesetzt sind, die durch mühsame Decoration mehr beschönigte 
als bewältigte Massenhaftigkeit, die kalte , schwerfällige Pracht bedauern, 
und über einen Bau Schmerz empfinden, der nicht bloss in seinen eigenen 
Schicksalen, sondern mittelbar auch für die folgende Entwicklung der Bau- 
kunst so verhängnissvoll werden sollte. Wahrhaft bewundernswürdig ist 
nur der herrliche Kuppelbam 
Michel Angelds Beispiel, für die jüngeren Künstler, wie wir bald lllichol 
sehen werden , höchst gefährlich, wirkte auf alle seine Zeitgenossen mehr MS I" 
oder minder ein. Unter ihnen ist zunächst Viyozolcz (Gianonzo Barozzi, Vigl 
1507  1573) zu nennen. Er war für eine strengere Behandlung der anti- 
ken Architektur thätig und schrieb deshalb auch sein Werk über die Säu- 
lenordnungen, welches für die ganze Folgezeit bis auf unsere Tage der 
architektonische Canon geworden ist, bis das Studium der althellenischen 
Monumente ihn verdrängte. Unter seinen Bauten behauptet das Schloss 
C aprarola zwischen Rom und Viterbo den ersten Rang. Es gestaltet sich 
als regelmässiges Fünfeck um einen runden Hofraum, ist in zwei Haupt- 
geschossen streng mit Pilastern decorirt, im unteren Geschoss mit offenen 
Bogenhallen ausgestattet. Die sämmtlichen Säle und Gemächer haben reiche 
Bemalung durch die Zuccheri erhalten. Sodann war Vignola gleich seinem 
Zeit- und Kunstgenossen, dem Maler und Architekten Giorgzb Wrsari (l 512 
 1:374), an der grossartigen Villa Julius 111W) betheiligt, welche die- 
ser Papst von 1550  1555 bei Rom ausführen lies-s. An der Landstrasse 
erhebt sich zunächst ein Palast, der zu der eigentlichen Villa führt. Diese 
hat gegen den Hof hin eine halbrunde Siiulenhallc, und den Schluss der 
Angr- 
uHuss. 
Stern  
Piuutzw 
lulln villu 
di Giulim 
Roma 178-1.
        

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