Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685389
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Sechstes Buch. 
Poterskim 
J. 1536, deren Faeade (Fig. 434-) mit ihren Halbsiiulen, kräftigen Gesimsen 
und verschwenderischer plastischer Ausschmückung zu den glanzvollsten 
Schöpfungen der Profanarchitektur gehört. Sie nimmt den offenen Hallen- 
bau venetianischer Palastarchitcktur in zwei Geschossen von ansehnlicher 
Höhe auf, verbindet ihn aber in brillanter Entfaltung mit der antikisirenden 
Wandgliederung des entwickelten römischen Styles. All das reiche Leben 
dieses prunkvollen Schaustückes klingt zuletzt in der oberen Dachbalustrade 
mit ihren Obelisken und Statuen wirksam aus. Wenige Jahre früher (l 532) 
baute er den Pal. C orner (della ca grande), ein Erdgeschoss mit kräftiger 
Rustica, auf welchem zwei Stockwerke mit gekuppelten Säulen und Bogen- 
fenstern sich erheben. Strebt hier Alles nach wirksamster, reichster Ent- 
faltung, so tritt an der Zecca und den Fabbriche nuove (seit 1555), 
den praktischen Bedürfnissen gemäss, eine schlichtere Behandlung in tüch- 
tiger Derbheit hervor. Eine Nachwirkung der Bibliothek erkennt man end- 
lich an den von Scamozx-i 1584 erbauten Pro curazie nuove, nur dass 
den beiden unteren Geschossen ein drittes aufgesetzt ist, wodurch die bei 
aller Pracht leichte hallenartige Wirkung sich abschwächt. So übte unmit- 
telbar und mittelbar Sansovino in dieser Epoche eine architektonische Allein- 
herrschaft über Venedig aus. 
 Einer neuen Richtung gab der gewaltige, als Maler und Bildhauer 
gleich bedeutende lllicizel Angela Bzaozzarroti (1474 --l 563) den Ausschlag. 
Er bezeichnet den Punkt in der geschichtlichen Entwicklung , wo der ge- 
waltsame Drang eines hochbegabten Individuums sich über die strengen 
Gesetze architektonischen Schaffens kühn hinwegsetzt und in willkürlich 
machtvoller IrVeise seiner Subjectivität zum Ausdruck verhilft. Er compo- 
nirt nur im Ganzen und Grossen, mit vorwiegender Rücksicht auf die male-' 
rische Wirkung, auf den Wechsel der Flächen und Einzelglieder, des 
Schattens und Lichtes; die Bildung des Details vernachlässigt er darüber 
bis zur Verwilderung, und für die Composition gibt er bisweilen einer Laune 
nach, die in capriciösem Gegensatz gegen Ruhe und Harmonie der Anlage 
sich befindet. Seine ersten, minder bedeutenden Bauten gehören Florenz 
an. Dahin zählt die 1514 entworfene Fagade für S. Lorenzo, die indess 
Entwurf geblieben' ist; er suchte hier die Vermittlung der beiden Geschosse, 
allerdings mehr bildnerisch als streng architektonisch , durch Statuen zu 
bewirken. In S. Lorenzo erbaute er sodann 1529 die Grab kapelle der 
M e di c e er , für die er die berühmten Grabmäler mit den herrlichen Statuen 
111858861118.  Zu Rom sind, wie wir sahen, die grossartigen Pfeilerhallen 
des Hofes im Pal. Farnese, so wie das imposante Kranzgesims der Facade 
Sein Werk-  Die malerisch hochbedeutsame Anlage des Capitols sammt 
den angrenzenden Bauten beruht ebenfalls auf seinen Plänen.  In launen- 
hafter Willkür ist die aus seiner spätesten Lebenszeit datirende Porta Pia 
behandelt, ein Denkmal der Verirrung eines hohen Geistes.  Seine vor- 
züglichste architektonische Thätigkeit nahm der Neubau der Peter skirc h e 
(Fig. 435 u. 4-36) in Anspruch de). Schon im JflöOß hatte Branumte den 
Bau begonnen, der als griechisches Kreuz mit abgerundeten Querarmen 
und Chor angelegt war. Raphael, der darauf den Bau fortführte, hatte die 
Absicht, abweichend von dem ursprünglichen Entwurf einen Langhausbau 
Oustagufi: 
ura rlella 
Architett 
basilica di S. Pietro in Vaticano. 
Ima 115554.
        

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