Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685284
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Sechstes Buch. 
Römisc 
Bzmtm 
Spitzbogen auf Pfeilern mit vorgestellten Säulen, das Ganze in höchster 
Pracht ausgeführt.  
Nach R-om, dessen Culturlehen während der langen Kirchenspaltung 
tief gesunken war, trugen Horentinische Baumeister die Renaissance, deren 
Grundzüge sie an römischen Werken gelernt hatten. fertig hinüber. So 
besonders Giuliano da Mqjrmo , der Vollender der Domkuppel zu Florenz, 
der in dem Pal. di Venezia für Rom ein bedeutendes Beispiel des floren- 
tinischen Palastbaues hinstellte. _Doch fehlt es dabei nicht an Besonder- 
heiten, die einem unmittelbaren Studium altrömischer Werke zu verdanken 
sind. Dahin gehört besonders die Anlage des unvollendet gebliebenen Hofes. 
dessen Arkaden auf Pfeilern mit Halbsäulen, ganz nach dem Muster des 
Colosseums, ruhen. So gestaltete er auch in wirksamer Weise die Vorhalle 
der in dem Palast eingeschlossenen Kirche S. Marco. Die Facade ist 
offenbar mit beschränkten Mitteln, namentlich auch ohne Quaderbau, auf- 
geführt, allein sie zeigt durch das Bedeutende der Dispositionen und Ver- 
hältnisse sich von imponirendem Eindruck. Die Flächen sind, ohne Pilaster 
oder Rustica, nur nach den einzelnen Geschossen durch Gesimsbänder ge- 
gliedert, besonders aber wvird durch ein derbes Consolengesims mit Zinnen- 
kranz ein kräftiger Abschluss in einfach grossen Formen gegeben. Die 
beiden Paläste, der grosse und der kleine, stossen in rechtem Winkel zu- 
sammen, und ein in der Ecke sich erhebendes thurmartiges Geschoss ver- 
stärkt den malerischen Eindruck des Ganzen. Der kleinere Palast hat einen 
Hof, dessen unteres Geschoss auf achteckigen Pfeilern ruht, während das 
obere korinthische Säulen zeigt. Die Fenster des kleinen Palastes und im 
Erdgeschoss des grossen Palastes sind rundbogig geschlossen, die oberen 
Geschosse des letzteren haben Fenster mit geradem Sturz , und im Haupt- 
geschoss mit steinernen Fensterkreuzen.  Die übrigen römischen Bauten 
dieser Zeit stammen meistens von Baccio Pintellz", ebenfalls einem floren- 
tiner Künstler. Als sein Hauptbau gilt die Kirche S. Agostino, eine 
Basilika mit hohen Kreuzgewölben auf Pfeilern und einer unbedeutenden 
Kuppel. Die Seitenschiffe sind mit kapellenartigen Nischen versehen. An 
der Fagade treten die Verbindungsvoluten in besonders hässlicher Form auf. 
Selbst bis Neapel drang der Einfluss der florentinischen Schule, wie 
man an dem von Gizeliano da Mcgjano erbauten Triumph bo gen des Kö- 
nigs Alfons von Arragonien, einem stattlichen Decorationsstück von weis- 
sem Marmor, mit reichem plastischen Schmuck, erkennt. 
Zweite Periode: 
llochrenaissance. 
(1500 
1580. 
Strengen: 
Richtung. 
Mit dem Beginn des sechzehnten Jahrhunderts kommt eine grössere 
Strenge in Auffassung und Nachbildung der antiken Architekturformen zu 
allgemeiner HerrSChaft. Wie das ganze Leben in Italien zu dieser Zeit die 
Reste mittelalterlicher Anschauungen und Einrichtungen rasch und-völlig 
abstreifte, so that auch die Baukunst jetzt zuerst den entscheidenden Schritt, 
der sie von den 'l'1'aditi0nen des Mittelalters für immer trennen sollte. Sie 
stellte dem naiven Compromiss, den noch das vorige Jahrhundert mit den 
aus der gothischcn Epoche überkommenen Elementen gemacht hatte, ein
        

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