Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685279
Zweites Kapitel. 
Renaissance in Italien. 
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gesims hat kleine, dicht an einander gereihte, dem Material gemäss nur 
wenig ausladende Consolen. Die Höfe entfalten sich reicher, mit stattlicher 
Säulenhalle, darüber eine Loggia mit doppelt so vielen Säulen, so dass auf 
jedem unteren Bogenscheitel noch eine Zwischensäule sich erhebt, oder 
auch mit abwechselnden Pilastern und Säulen. Beispiele solcher Bauanlagen 
bieten der Pal. Fava und der Pal. del Podesta. Dagegen hat der Pal. 
Bevilacqua. eine geschlossene Hausteinfacade ohne Arkaden, und dabei 
einen der schönsten Säulenhöfe dieser Art.  
In Venedig entfaltet sich auf engbegrenztem Boden eine Architektur, Venetimwisuh 
die gleich derjenigen der früheren Epochen weniger durch bedeutende Ver- Schuh" 
hältnisse und grossartige Dispositionen, als durch phantasievollen Reich- 
thum des Details, Schönheit und Pracht der Decoration sich auszeichnet. 
An den Palastfacaden werden die offenen Logen, wird die oft malerisch 
unsymmetrische Anordnung der früheren Zeit beibehalten. Die Hofräume 
sind gering oder gar nicht vorhanden; man sucht hier in der Lagunenstadt 
das Wasser, bildet nach dieser Seite die Facade aus, und die offenen Logen 
vertreten gleichsam den fehlenden Hof. Der Reichthum der Stadt, die 
gerade damals auf dem Gipfel ihrer Handelsblüthe stand , führt der Archi- 
tektur das kostbarste Marmormaterial zu, in welchem sie oft mit verschwen- 
derischer Hand schwelgt. So behält auch jetzt, im Gegensatz zu der ern- 
sten, fast trotzigen Grossartigkeit der florentinischen Palastarchitektur, der 
Charakter des venetianischen Styls sein heiteres, oHenes, festliches Wesen. 
Die Renaissance erscheint indess hier in der inselartig gegen das Festland 
abgeschlossenen Stadt erst spät, und wie es scheint von der Lombardei her 
eingebürgert. Dafür spricht der Name der Architektenfamilie der Lombardi, 
auf welchen man die meisten Bauten der Frührenaissance zurückführt. 
YVie in ganz Oberitalien dauert hier die Stylrichtung dieser ersten Epoche 
bis in's 16. Jahrh. hinein. Das bedeutendste Werk ist unstreitig der Pal. PaLVenrlra- 
Vendramin C alergi , 1481 von Pietro Lombardo erbaut. Er hat eine "u" Calmm 
vollständige, reiche Gliederung der Stockwerke durch antikisirende Ele- 
mente, im Erdgeschoss Pilaster, darüber canellirte, dann glatte Säulen. 
Die Disposition ist klar, die Verhältnisse geben einen stattlichen Eindruck. 
Die Fenster folgen wie meistens in Venedig zu dieser Zeit der mittelalter- 
liehen Anlage, indem sie rundbogig schliessen und durch eine schlanke 
Mittelsäule getheilt sind, so dass oberhalb bei sehr breitem Verhältniss 
sogar eine Art von Masswerkfüllung sich bildet. Unter dem Kranzgesims 
zieht sich ein reicher mit Adlern und anderen Emblemen geschmückter 
Fries hin. Zu den prachtvollsten Leistungen des Styles gehören Sodann die 
S c u o l e , d. h. laalastartige Gebäude der reichen geistlichen Brüderschaften. 
So die Scuola di S. Marco, 1435 angeblich von Zllartüzo und Pietro Scuola di 
Lombardo erbaut. Auch hier sind die Motive der Facadendecoration die- SMMCO" 
selben zwischen antiker und mittelalterlicher Fßrmweise schwankenden, wie 
namentlich die Fenster beweisen. In späterer Zeit (1517) begonnen und erst 
durch Sansoviozo beendet, ebenfalls wie es heisst nach einem Entwurf des 
PietroL. zeigt die S c. di S. R0 c co diesen prunkvollen Styl in seiner erdenk- Scuola di 
lich reichsten und üppigsten Entfaltung, mit kostbarer Marmorincrustation 330cm 
und ungemein schlagkräftig wirksamer Gliederung. Aus derselben Epoche 
stammt der H o f des D o g e n p al a s t e s , seit 1500 durch Antonio Breyno H01" des 
und  begonnen, rundbogige Hallen auf Pfeilern, oben Dogumal"
        

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