Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1680407
Erstes Buch. 
Zweifel, dass diese in ihren baulichen Unternehmungen am meisten mit den 
Babyloniern verwandt waren. Im Uebrigen ist die ganze Einrichtung und 
Benutzung jener umfangreichen Bauten noch immer in Dunkel gehüllt. 
Was die Beleuchtungsart betrifft, so lässt sich. aus gewissen Darstellungen 
in den Reliefs abnehmen, dass die Räume durch ein von oben einfallendes 
Seitenlieht erhellt wurden. Mehrere Abbildungen von Gebäuden zeigen 
nämlich dicht unter dem Dache Galerien mit Säulen. Auch lassen 
sich dabei mehrstöckige Anlagen 
Fig- 14- deutlich erkennen, jedoch so, dass 
 die Geschosse in stufenförmigen 
  (IN MR f, Absätzen über einander aufsteigen. 
 ü:    v"    g  Die Form der Säulelli 211111 diesen 
l' l TEE? 'l ä  Galerienistansserdem iöc stmerk- 
   i würdig (Fig. 1 4), weil mitBestimmt- 
   fiwlixfj jumwj  heit am Kapital doppelte Volutcn 
  illiiilv], vorkommen, eine Bildungsweise, 
w," Willi; die anderwärts in der griechischen 
  Kunst zu so edlen Gestaltungen 
A   L führen sollte. Die Bekrönung der 
s:  l    Gebäude mit zackenförmigen 
 hl v"   i w  3 (ff  Zinnen erscheint ebenfalls als eine 
  1' i allgemein beliebte. Noch ein auf- 
 l  fallender Umstand tritt an den Re-_ 
Sänlcngalcric. Relief zu Khorsabarl. lißfdafßtellllllgßn VQU festllngsalftlgöll 
Gebäuden darin hervor, dass die 
Portale meistens im Rundbogen geschlossen sind. Falls" hier nicht etwa 
fremde, feindliche Festungen (largestellt werden, liegt es um so näher, an 
wirkliche Wölbungen zu denken, als man mehrfach in den assyrischen 
Bauten, so in der Stufenpyramide beim Nordwestpalast, Ziegelwölbungen 
aus jener Zeit entdeckt hat. So viel scheint gewiss, dass der Sinn jener 
Völker, im geraden Gegensatze zu den phantastischen, schxxiärmerischen 
Indern, auf das Praktische mehr weltlicher Zwecke gerichtet war; daher ihre 
Wasserbauten, Dämme, Kanäle, Schutzmauern, Königspaläste. Und obwohl 
ihre Könige sich die demüthigen Knechte des Bar nennen, so hielten sie 
neben der unumschränkten Gewalt asiatischer Despoten auch die Priester- 
würde in Händen. Im Königthume ging Alles ohne Unterschied auf. Daher 
scheint bei ihnen kein eigentlicher Tempelbau gewesen zu sein; der Palast- 
bau trat an dessen Stelle.  
So finden wir denn auch hier keinen Kunststyl der Architektur. Der 
Geist, dessen Wollen auf Werke alltäglicher Nützlichkeit, auf irdische 
Macht und Lebensgenuss vornehmlich gerichtet war, entbehrte jener 
höheren, idealeren Richtung, unter deren Walten allein dem Werke iiusserer 
N othdurft das Siegel der Kunstvollendung aufgeprägt wird.
        

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