Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685195
Zweites Kapitel. 
Renaissance in Italien. 
zurück; so knüpft sie auch namentlich an die kühnen technischen Leistun- 
gen der vorigen Epoche an. Für die antike Behandlung der Gliederung 
kam es ihr zu Statten, dass auch der gothische Stylhier die tief ausge- 
kehlten , scharf zugespitzten Profile schon abgestreift oder doch gemildert 
hatte, so dass in dieser Hinsicht kein zu grosser Sprung zu machen war. 
Bei imposanter, oft äusserst schlichter Gesammthaltung verfällt sie sodann 
bisweilen, durch einen gewissen phantastischen Zug getrieben, in ein über- 
reiches Anwenden von Decoration, so dass ein bunter, aber durch Wärme 
der Phantasie anziehender Eindruck hervorgebracht wird. Mit einem Worte: 
es ist noch kein bestimmter Canon festgestellt, die Erfindung hat noch 
ziemlich weiten Spielraum, und dieses rührige Suchen verleiht den Werken 
dieser Epoche einen eigenthümlichen Reiz der Frische und Unmittelbarkeit. 
Dazu kommt, dass in der guten Zeit der italienischen Renaissance niemals 
ein Mörtelverputz sich als täuschender Quaderbau geben will, dass vielmehr 
das Material in seinem wahren Wesen gezeigt und nach seinen Eigenthüm- 
lichkeiten behandelt wird. Der Quaderbau ist oft, namentlich an den Erd- 
geschossen, den Ecken und Fenstereinfassungen, mit jenen breiten, tief 
eingeschnittenen Fugen zwischen den einzelnen Werkstücken (Bossagen) 
ausgeführt, was einen besonders tüchtigen, derben Eindruck macht. Daher 
der Name Bustika (bäuerliche Ordnung). Die Technik ist durchweg streng 
und gediegen. Diese Eigenschaften entsprechen getreu dem Charakter der 
Zeit, der sich mitten in menschlich freier Empfindung noch in den Schran- 
ken schöner Mässigung zu halten weise. Noch hat die Auflösung des mit- 
telalterlichen Lebens nicht alle Kreise ätzend durchdrungen, die äusseren 
Bande und Formen stehen überall in andauernder Geltung und lassen selbst 
den Regungen des neuen Geistes , die sich zu voller Consequenz noch nicht 
entfaltet haben, freien Spielraum. 
Der erste Begründer der modernen Baukunst ist der berühmte Floren- Brunellesco. 
tiner Filippo Brunellesco (1377 bis 1444). Nach eifrigem Studium der 
antiken Baureste entschied er sich mit klarem Blick für die Wiederaufnahme 
der römischen Formen, denen er durch die Gewalt seines hohen Geistes 
die Herrschaft sicherte. Jene Versammlung von Baumeistern aller Natio- 
nen, welche im J. 1420 hehufs der Vollendung des Doms zu Florenz, Domkuppel 
namentlich wegen Ausführung der Kuppel, dorthin zusammenberufen 7'"  
worden war , sah die Geburtsstunde des neuen Styles. Es galt ein Werk 
zu errichten, das an Kühnheit bisher seines Gleichen nicht hatte. Brunel- 
lesco wies die Ausführbarkeit seines Planes nach und fand die Beistimmung 
der Republik. Seine Kuppel, die erste, welche mit einer doppelten Wöl- 
bung, einer inneren und einer äusseren (Schutzkuppel), und Obendrein Ohne 
Lehrgerüste aufgeführt wurde, erhebt sich bei einem Durchmesser von 
130 Fuss zu einer Scheitelhöhe von 280, und mit der Laterne bis zu 
330 Fuss. Obwohl ihre Wirkung durch die spätere Bemalung, statt deren  
Brunellesco Mosaiken beabsichtigt hatte, gegchwächt wird, Obwohl die 
äussere Decoration so wie die aufgesetzte Laterne erst nach des Meisters 
Tode durch Giuliano du Zllqjano im J. 1461 ausgeführt worden ist, darf 
man das Verdienst Brunellescds dabei nicht gering anschlagen. Es beruht 
hauptsächlich auf der Anlage und Durchführung eines hohen Tambours, 
der durch Rundfenster sein Licht empfängt, und über welchem die schlanke 
Kuppel in elliptischer Schwingung aufsteigt. Allerdings sind die antiken
        

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