Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685083
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Fünftes Buch. 
rend, interessante Beispiele von der charakteristisch bedeutsamen Art, in 
welcher auch bei solchen Bauten der italienische Sinn für grossräumige 
Anlage sich auszudrücken weiss. 
Denkmäler in WVir haben schliesslich noch einen Blick auf die Denkmäler Spaniens 
Spam" und Portugals zu werfen, für deren Erforschung freilich noch nicht viel 
x geschehen ist, so dass wir nur vereinzelte Anhaltspunkte für den Entwick- 
lungsgang der gothischen Baukunst auf dortigem Boden besitzen. In Sp a- 
nienf), einem Lande, dessen Volksthum in so überraschender Weise sich 
durch manche Eigenthümlichkeiten germanischen Geistes noch jetzt aus- 
 zeichnet, das auch in Wirklichkeit stark mit germanischen Elementen ver- 
mischt ist, tritt der gothische Styl in viel strengerer, dem ursprünglichen 
Gedanken des Systems entsprechender Gestalt auf als in Italien. Planform. 
Pfeilerbildung, Gewölbanlage und Fensterbehandlung erinnern lebhaft an 
nordische Weise. Nur pflegt auch hier das Mittelschiff sich in geringerem 
Maass über die Abseiten zu erheben , die Horizontale auch am Aeusseren 
ziemlich kräftig betont zu sein. Im 15. Jahrh. nimmt der Einfluss aus- 
wärtiger Meister, namentlich deutscher und niederländischer, zu und er- 
zeugt im Bunde mit der rasch und feurig bewegten Phantasie der Nation 
und ihrem Sinn für Entfaltung glänzender Pracht einen Decorationsstyl, 
dessen Hauptwerke an Reichthum die englischen und französischen minde- 
. stens erreichen, an Fülle überströmender Energie sie sogar überbieten. 
Endlich ist die ununterbrochene Einmischung gewisser maurischer Formen 
noch als charakteristisch-decoratives Element hervorzuheben. 
Knthwxrlralc-zu Als das früheste gothische Bauwerk Spaniens wird die Kathedrale von 
 Leon betrachtet, deren Facade mit zwei Thürmen und deren Chor mit 
Umgang und einem Kranz von fünf Kapellen ausgestattet ist. Allein die 
Schilderung von den ungemein schlanken, kühnen, luftigeii gferhältnissen 
des Baues und der reichen Decoration lässt auf das 14. Ja r  sc iessen, 
wie denn noch bis in die s älteste ethische Zeit an dieser Kathedrale, be- 
Kathedrale z" sonders an den durchbrochgnen Thgürmen , gebaut wurde.  Dagegen ge- 
lnledo" hört zu den bedeutendsten Denkmälern des frühgothischen Styles die Ka- 
thedrale zu Toledo , im J , 1227 vom Baumeister Pedro Perez begonnen. 
Von grossartiger Wirkung, frei und ikühn gestaltet sich das fünfschiffige 
Innere; die gebündelten Pfeiler haben in ihrer Profilirung, den Basen und 
Kapitälen noch Reminiscenzen an romanische Bildungsweise; selbst die 
Ringe an den Schäften , wie die Uebergangszeit sie liebte , kommen noch 
vor. Die Chorwände sind mit durchbrochener Marmorarbeit im üppigsten 
spätgothischen Decorationsstyl verschwenderisch bedeckt. Die Länge der 
lüathcdrale 7.11 Kirche beträgt 404, die Länge des Kreuzschiffs 204 Fuss.  Die 1221 
Burgus begonnene und erst nach drei Jahrhunderten vollendete Kathedrale zu 
Burgos schliesst sich mit ihrem polygonen Chor sammt Umgang und. fünf 
radianten Kapellen dem französischen Kathedralentypus an, den S18 in 
3') Abbildungen in der ESPQÜQ QYÜSÜCQ y monumental von Don Gennro Perez de Villa-Anm. 3 V01; 
Fol. Paris 1842.  Vgl. A. de Laborde: Voyage pittoresque de PEspagne, und die Geschichte der Ban- 
kllllst in SPPIIIiEH, nach dem Spanischen des Don Josä Careda, übersetzt von P. Heyse, herausgegebex 
von F. Kugler. S. Stuttgart 1858.
        

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