Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1680383
Erstes Buch. 
Altvr der 
Mnnunxentr 
Styl (Kiew-r 
Architektur. 
Palast erbaut hat, der Sohn des ltrbauers von Khorsabad. Er hat also an 
Kolossalititt seiner Werke den Vater überbieten wollen. 
Ueber Alter, Namen und Ursprung dieser ungeheuren Bauten haben 
 die durch Major Rau-Zinsen entziifertcn Keilinschriften bereits mancherlei 
Aufschluss gebracht. Zugleich treffen einige andere Umstände für eine 
wenigstens ungefähre Datirung zusammen. Jedenfalls müssen jene Werke 
über die Zeit der Zerstörung von Niniveh, G06 v. Chr., hinziufrüeken. Es 
ist aber durch andere Gründe wahrscheinlich, dass die ältesten Bauten zum 
Mi-ndesten in das neunte Jahrhundert vbr unserer Zeitrechnung zu verweisen 
sind. Dahin gehört vor Allein der Nordwestpalast zu Nimrud, als dessen 
Erbauer die Inschriften den Sardanapal ergeben haben, nicht den späteren 
Wollüstling dieses Namens, sondern einen früheren kriegerisch-krättigen 
Fürsten. Im Nordwestpalaste findet sich eine Inschrift, die den Herrscher- 
stolz jener asiatischen Despotien naiv ausdrückt. Sie beginnt also: vDies 
ist der Palast des Sardanapal, des deinüthigen Anbeters des Assarak und 
der Beltis, des strahlenden Bar, des Ani und Dagon, welches die Haupt- 
göttcr; der mächtige und oberste Herrscher, König von Assyrien, der Sohn 
des Knechtes des Bar, der grosse König, der mächtige und oberste Herrscher, 
der König von Assyrien; welcher war der-Sohn des Hevcnk, des grossen 
Königs, des mächtigen und obersten Herrschers, des Königs von Assyrienßr 
Der Centralpalast ist etwas jünger als jener, da er inschriftlich vom Sohne 
des Sardanapal, Teinen-bar, erbaut wurde. Die übrigen Paläste gehören 
einer zweiten, im achten Jalirh. beginnenden Dynastie an. Zuerst baute 
König Salmanassar den Palast von Khorsabad, dann sein Nachfolger San- 
heril) den von Kujjundschik, welchen man für das von Xenophon erwähnte 
Mespila hält. Den Beschluss macht Sanheribs Sohn Esarhaddon mit dem 
Südwestpalast von Ninirud. Keine von den aufgegrabenen Stellen scheint 
jedoch das eigentliche Niniveh zu enthalten. Dieses soll vielmehr in dem 
Mosul gegenüber liegenden, von den Türken Nabi Junes, d. i. das Grab 
des Jonas, genannten lrümmerhügel verborgen sein. Kujjundschik und 
Khorsabad sieht Major Rawlinson. nur als Vorstädte und Zubehör jener alten 
Kapitale an, und in Nimrud glaubt er Xenophons Larissa erkannt zu haben. 
Fassen wir die Resultate für unsere Betrachtung zusammen, so stehen 
dieselben in keinem Vcrhältniss zu dem Umfang und der Masse der Ucber- 
reste. Wie in Indien, so ist auch hier das architektonische Streben auf 
Kolßssalitiit der Anlagen, auf Luxus der Ausstattung gerichtet; der Geist 
erstickt in der Materie. Dort war es eine regellosc 
   Fig- 12- Phantastik und YVillkür, die sich in den abenteuer- 
   5'  lichsten Formen berauschte; hier ist es eine nüchtern 
 n;  verständige Richtung, die in monotonen 'Wieder- 
.    holungen sich gefallt. Der Kunstgeist der Inder war 
 ein verzcrrter, verworrencr; den Babyloniern und 
 Assyriern scheint ein eigentlich architektonischer 
 S2   Kunstgeist fast ganz eman elt zu haben. Die ein- 
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Brüstungsmnuer von zigeGliederung, die an all diesen riesenhaften Bauten 
KlwrSalJflCl. bis jetzt gefunden wurde, besteht aus dem Kranz- 
gesinis, welches im Palast zu Khorsabad die Brü- 
stungsmauer der 'l'errasse krönte (Fig. 12). Es besteht aus einer tief ein- 
gezogenen Hohlkehle unter einer vorspringenden Platte, nach unten begrenzt
        

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