Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685036
Drittes Kapitel. 
Gothischer Styl. 
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haben auf azurblauem Grund goldene Sterne.  Noch entschiedener ent- 
faltet sich die weiträumige, in's Breite strebende Tendenz an dem 1296 von 
Meister Amolfo di Cambio (gewöhnlich Arnoljb dz" Lapo genannt) begonne- 
nen Dom zu Florenz, S.Maria del üore1). Die Floreiitiner Republik, 
auf der Höhe ihrer Macht, beschloss in ihm den glänzendsten Ausdruck 
ihrer Grösse sich und kommenden Geschlechtern vor Augen zu stellen. 
Die Dimensionen der Schiife sind ausserordentlich. Vier quadratische Kreuz- 
gewölbe (vgl. Fig. 414 und Fig. 421), auf einfachen Pfeilern ruhend, bil- 
den das Mittelschiff und überspannen hier nRäume, wie sie,u um mit Burck- 
hardt zu reden, nvielleicht überhaupt noch nie mit so wenigen Stützen über- 
wölbt worden warenmr Die Breite des Mittelschiffs beträgt nämlich (S0 Fuss, 
während sie am Dom zu Köln nur 44 misst. Leider beeinträchtigt eine 
durch den ganzen Bau fortlaufende, am Fuss der Obergewölbe sich hii1- 
ziehende Galerie auf Consoleudie Grossartigkeit der Wirkung. Minder 
glücklich ist der mächtige achteckige Kuppelraum entworfen, der, erst 
später ausgeführt, "den Langhausbau schliesst. An die Kuppel legen sich 
man 415, östlich und zu beiden Seiten nied- 
x f rige Flügel mit je fünf in der 
Mauerdicke angebrachten quadra- 
tischen Kapellen. _Im 14. Jahrh. 
x H leitete der berühmte Maler Giottu 
' ' den Bau, und liess seit 1334 eine 
i i     
 A    , K prächtige Fagade aufführen, die 
K  1x1; 1    " jedoch unvollendet blieb und spä- 
ß! I; l Ä g I!  ter zerstört wurde, ohne durch 
f  q       1x   eine neue ersetzt zu werden 2).  
3.x _  l , f, Von Giotto rührt auch der neben 
f  Vf.   ,    
  I,   Ä, x 1 i, {.1  dem Dom stehende prachtige 
A. r  24' Y;   A! G10 ckenthurmlFigßllöli seit 
71T  x zfäx ä. 1334 erbaut, an welchem in geist- 
  x, X h; X reich decorativerWeise die gothi- 
I? i sehen "Formen verwendet sind. 
  X  Durch die nach oben an Höhe 
l 1 i 1 zunehmenden Fenster gibt sich 
 ein angemessenes Streben nach 
II III  Schlankheit. und Durchbrechung 
.L X, A. kund.  Ems der schonsten go- 
cs:  f thischen Gebäude Italiens ist der 
  X51 Dom zu Siena (Fig. 416), noch 
"f.  v7 aus dem I3.Jahrh. , die Fagade 
 vj 'l   3x; vom Jahre 1284. Sein Langhaus 
o  x  m ist von stattlichen, edlen Verhält- 
 nissen; die weiten, im Halbkreise 
Dom von smna" geschwungenen Bögen ruhen auf 
viereckigen Pfeilern. Merkwürdig ist diesechseckige Kuppel, welche oben 
in ein unregelmässiges Zwölfeck übergeht. Der Wechsel schwarzer und 
Dom zu 
Florenz  
Dom zu 
Siena. 
1) Lx metropolitzma Fiorentina illusitrata. 4. Firenze 1830.  Vgl. auch Gailhabaud a. a. O. 
2) Der treffliche, zu früh gestorbene J. G. Jllüller hat in neuester Zeit eine meisterhafte Fagade im 
Geiste Giottmfs und der italienisch-gßthischen Kunst entworfen. Vgl. E. FöT-YMJ JIG- Müller, ein 
Dichter- und Künstlerleben. S. 248, mit Abbild.
        

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