Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1680376
Zvreites Kapitel. 
Babylonisch-assyrische Baukunst. 
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In Khorsabad wurden zwei Kolossalfigurcn von Stfg Fuss Höhe und Iihorsabad. 
eine Menge von Zimmern mit Reliefplzitten von 10  12 Fuss im Quadrat 
entdeckt. Der Palast ist durch Feuer zerstört worden, wie die aufgefundenen 
Holzkohlen und Reste von geschmolzenem Kupfer darthun. Die Vermu- 
thung, dass diese Ueberbleibsel von dem hölzernen Dache und den dasselbe 
verbindenden kupfernen Nägeln herrühren, ist um so glaublicher, da von 
Eisen, mit Ausnahme einer Anzahl eiserner Waffen, keine Spur entdeckt 
wurde. Zwei gigantische Stiere mit Menschenköpfen, an sechzehn Fuss 
hoch, scheinen die Pforten des Haqlpteinganges bewacht zu haben. Diese 
Stiere, so wie alle ähnlichen Thierkolosse assyrischer Bauwerke, treten zur 
Hälfte als selbständige Sculpturen aus der Mauer hervor, während der übrige 
Körper als Relief mit derselben zusammenhängt. Seltsamer Weise sind 
ihnen stets fünf Füsse gegeben , nämlich zu den beiden hinteren drei vor- 
dere, damit sowohl der von vorn Herantretende, als der von der Seite sie 
Anschauende jedesmal die Vierzahl vollständig erblicke. 
Ungleich umfassender sind die Ausgrabungen zu Nimru d. Im Nord- Nimrwl. 
westpalaste allein, der von allen am besten erhalten ist und keinerlei Zer- 
störung durch Feuer erfahren hat, wurden nicht weniger als achtundzwanzig 
Gemächer mit ihren Sculpturcn aufgedeckt. Den Eingang zu einem Zimmer 
bildeten zwei riesige Pricstergestalten mit bekränztem l-Iaupte, im Arme   
ein Opferthier tragend. Neben diesem Palaste haben die Ausgrabungen in 
einem unförmlichen Schutthügel die Reste einer grossen , mit Steinplatten 
bekleideten Stufenpyrainide_ zu Tage gefördert. In dem Südwestpalzrste, 
dessen Reliefs durch Feuer grossentheils verkalkt waren, fand man eine 
Menge von Tafeln, die, an den Ecken zum Theil abgeschlagen, auf beiden 
Seiten Darstellungen enthielten. Man erkannte daraus deutlich, dass sie 
von einem älteren Gebäude hergenommen und für das neuere passend ge- 
macht waren. Im Mittelpunkte des Hügels entdeckte man eine Reihe von 
Grabkammern, die zum Theil menschliche Skelete und mancherlei Urnen 
und Zierrathen enthielten, welche an die der ägyptischen Gräber erinnern. 
Als man tiefer drang, fand man fünf Fuss unter den Gräbern die Reste 
eines alten Palastes, und in dessen Zimmern ganze Reihen aufgestellter 
Reliefplattcn, die offenbar losgelöst worden waren. um an einen anderen 
Ort gebracht zu werden. Ihre Aehnliehkeit mit denen des Südwestpalastes 
liess keinen Zweifel, dass der Centralpalast jenem späteren sein Material 
habe herleihen müssen.  Zu den merkwürdigsten Entdeckungen ist noch 
die Ausgrabung eines kleinen Obelisken zu zählen, der eine Keilinschl-ift 
von 210 Zeilen trägt. Sodann aber dürfen die beiden Kolossalsculpturen 
nicht unerwähnt bleiben, Welche gleich dem Obelisken dem Centralpalaste 
angehörten. Die eine ist ein Löwe von 1U1!2 Fuss Länge und gleicher Höhe, 
mit mächtigem Flügelpaar und menschlichem Haupte. Die andere, ein ähn- 
lich mit Menschcnkopf und Flügeln ausgestatteter Stier, ist von. noch riesi- 
geren Dimensionen.  
In K u  undsehik, wo gleichfalls eine beträchtliche Anzahl von Kalium!- 
Räumen untersucht wurde, haben die Reliefplatten eine bedeutendere Höhe, "km 
als die znNimrlld und Kllorsabarl. Auch die beiden menschenköpfigen, ge- 
flügelten Stiere des Ilauptthorcs übertreffen mit ihrer Länge und Höhe die 
der anderen Gebäude. Den Inschriften nach war der König, der diesen
        

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