Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1684922
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Fünftes Buch. 
Satteldach. An den Giebeln des Chors und der Querarme erheben sich 
schlanke Treppenthürmchen, auf dem Hauptdache zwei Dachreiter, so dass 
ausser dem gewaltigen viereckigen Westthurm, der sammt dem übrigen 
Baukörper wie ein Gebirgskoloss aus der umgebenden Stadt mit ihren YVohn- 
 häusern und Kirchen aufragt, noch zehn feine Thurmspitzen wie ein Masten- 
Andere Kjr- wald emporstreben.  Die übrigen Kirchen Danzigs, unter denen die 
chennanzigs S. Trinitatis- und die S. Johanniskirche sich auszeichnen, sind in 
 verwandter Weise ebenfalls stattlich aufgeführt, werden aber durch die 
jiqmzu enormen Verhältnisse der Marienkirche zurückgedrängt.  Der Dom zu 
könlgsberi" Königsberg, 1335 gegründet, schliesst mit seinen achteckigen Pfeilern, 
reichen Sterngewölben und mehr breiten als hohen Schiffen, von denen das 
mittlere, ähnlich wie in S. Stephan zu "Wien, die seitlichen um Etwas über- 
ragt, den westprenssischen Denkmälern im WVesentlichen sich an. Abwei- 
chend ist jedoch die Anlage zweier Westthürme statt eines einzigen. 
11m Schliesslich sind noch einige Backsteinkirchen des Niederrheins 
r am zu nennen, unter denen die Stiftskirche zu Calcar bei gleich hohen 
Schiffen in ansprechender YVeise das System charakteristisch ausgeprägt 
zeigt, während die einfach schöne Stiftskirche zu Cleve , vom J. 1334, 
mit niedrigen Seitenschiffen, die neben dem Chor einen selbständigen 
 Polygonschluss haben, mehr den rheinischen Kathedralenstyl in Backstein- 
formen überträgt. S0 sind auch ihre Pfeiler von runder Grundform, ihre 
Fenster mit Masswerk geschmückt , und an der Facade erheben sich zwei 
Thürme.  S. Algund in Emmerich dagegen, der Spätzeit des 
15. J ahrh. angehörend, gibt mit ihren fast gleich hohen Schiffen und den 
aus den Pfeilern unmittelbar sich verzweigenden Netzgewölben ein Beispiel 
der letzten Entwicklungsstufe dieses Styles.  
Profanbauten. Die Profanb auten der gothischen Epoche geben gerade in Deutsch- 
land den Eindruck grösster Mannichfaltigkeit. Nicht allein aus der Bestim- 
mung der Gebäude, sondern auch aus dem Charakter der einzelnen Gegenden 
und besonders aus dem zur Anwendung kommenden Material erzeugt sich 
Facgxrks- die anziehendste Verschiedenheit der Sondergruppen. Dem Haustein der 
 westlichen und südlichen Gegenden steht nicht allein der Backstein der 
östlichen und nördlichen gegenüber: es kommt als dritte Gestaltung eigen- 
thümlicher Art noch ein F a c hw e rk s b au hinzu , der gerade in den holz- 
reichen , gebirgigen Kreisen Mitteldeutschlands, besonders des Harzes, 
reiche, durchaus originelle NVerke hervorgebracht hat. Hier werden die 
Stockwerke auf consolenartig behandelten Balken über einander vorgekragt, 
und die Balkenköpfe mit Schnitzwerk in vegetabilischen Formen, Thier- 
und Menschenbildungen geschmückt, auch oft Erker und andere Ausbauten 
angwrdnet, S0 dass ein Ganzes von ungemein malerischer Wirkung sich 
ergibt. Schöne Beispiele dieser Art findet man in Braunschw eig, H a1- 
berstadt, Quedlinburg, Hannover, Hildesheim, meistens dem 
Bereich der Privatarchitektur angehörig. Ein zierliches Rathhaus in diesem 
  Styl besitzt Wernigerode am Harz. 
Hausteinbau. Von Bauwerken der Haustein-Architektur haben wir bereits oben eine 
Abbildung gegeben (Vgl- das Schauhaus zu Nürnberg, Fig. 332, und dazu 
ferner das steinerne Haus zu Frankfurt a. M., Fig. 408). WVährend das letz- 
tere eine überwiegend breite, fast kastellartige Physiognomie zeigt, erhebt
        

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