Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1684918
Drittes Kapitel. 
Gothischer Styl. 
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brillante Erscheinung verleiht. Zwei stattliche viereckige, ziemlich massen- 
haft behandelte Thürme erheben sich an der Facade.  Die Katharinen- 
kirche zu Brandenburg, vom J. 1401, wetteifert an zierlich durch- 
brochener Decoration des Aeusseren mit der vorhergenannten Kirche. Das 
Innere hat drei ziemlich hohe Schiffe, einen polygon geschlossenen Chor 
mit Umgang, achteckige , fein gegliederte Pfeiler, theils Kreuz-, theils 
Netzgewölbe.  Runde Arkadenpfeiler mit vier Diensten zeigt dagegen 
der ebenfalls im 15. Jahrh. erbaute Dom zu Stendal. Die Schiffe sind 
nur annähernd gleich hoch, die Kreuzarme haben an der Ostseite ein nied- 
riges Nebenschiff. Die sehr edlen Verhältnisse erhalten durch die harmo- 
nische Farbe des auch im Inneren unverputzt gebliebenen Ziegelmaterials 
noch höhere Wirkung.  Von den zahlreichen Kirchen Pommerns erwäh- 
nen wir die Marienkirche zu Colberg (Maria gloriosa) , einen Bau 
von grossartigen Verhältnissen mit fünf Schiffen, deren äusserstes Paar 
jedoch ein späterer Zusatz ist. Ihre Pfeiler sind achteckig, mit feinen 
Rundstäben gegliedert. Eine breite Thurmhalle schliesst im Westen den 
Bau, der wahrscheinlich um 1320 vollendet wurde.  In Greif s wald 
sind die J akobikirche , mit einfachen runden Pfeilern, und die Marien- 
kir c h e , mit verschieden geformten Pfeilern und geradem Chorschluss der 
drei Schiffe, hierher zu zählen.  Durch kolossale Verhältnisse zeichnet 
sich die Jakobikirche zu Stettin aus, deren Seitenschiffe als Umgang 
um den polygonen Chor herumgeführt sind. 
Eine hervorragende Stellung nimmt sodann die Marienkirche zu Mgienk. zu 
D anz igein f). An ihr entfaltet sich der Typus westpreussischer Kirchen- an"; 
anlage zu grossartigster Wirkung. Im J. 1343 gegründet, wurde sie nach- 
mals von 1400 bis 1502 in umfassenderer Weise umgebaut und vollendet. 
Sie hat drei Langschiffe , die in ganzer Breite , nur durch das dreischifüge 
Querhaus unterbrochen, bis zum Ostende des Chors fortgehen und dort 
geradlinig schliessen. Am ganzen Bau sind die Strebepfeiler nach innen 
gezogen und die Zwischenräume durch Kapellen ausgefüllt, so dass sowohl 
Langhaus als Querflügel sich zu fünf Schiffen erweitern. Nicht blos diese 
grossartige Anlage. sondern auch die riesigen Dimensionen, die in Länge, 
Breite und Höhe glücklich harmoniren, geben dem Inneren einen über- 
Wältigend imposanten Charakter. Das Mittelschiff hat eine Weite von 
34 Fuss, die innere Länge der ganzen Kirche beträgt 300, des Querschiffes 
220, die Gesammtlänge mit dem Thurme 360 Fuss. Dabei trägt Alles. das . 
Gepräge höchster Einfachheit, die im Einzelnen an Formlosigkeit grenzt. 
Die mächtigen achteckigen Pfeiler smd Ohne lebendigere Gliederung, die 
Fenster ohne Schmuck und Masswerk in rohester Form mit senkrecht. an 
den Umfassungsbogen stossenden Pfosten. Nur die Gewölbe in ihren un- 
endlich reichen Variationen von Netzverschlingwmgen bieten eine uner- 
schöpflich scheinende Mannichfaltigkeit dar. Das Aeussere, dem selbst die 
Strebepfeiler fehlen, imponirt nur durch seine kolossalen Massen, an denen 
keinerlei Gliederung oder Verzierung sich bemerklich macht. Nur das Dach- 
gesims ist mit einem Zinnenkranz versehen, der den trotzig wehrhaften 
Eindruck des Gebäudes noch verstärkt. Jedes Schiff hatgsein besonderes 
 Aufnahmen dieser und denübrigen Danziger Kirchen in dem schon 1695 erschienenen Werke 
von Raniarrh: Beschreibung aller Kuchen-Gebäude der Stadt Dantzig. FOL  Dazu IÜrsch : Die Ober- 
pfarrkirche von St. Marien in Danzlg. 1843, und ein Aufsatz von W. Lübke im D.Kunst,bl. Jahrg. 1856. 
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