Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1684907
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Fünftes Buch. 
Kirchen in 
Breslau. 
Hallen- 
kirchen. 
artig durchgeführter Anlage erhebt sich der von 1385 bis 1411 erbaute 
Dome zu Havelberg. 
In Schlesien scheint der Hausteinbau mit dem Ziegelbau sich zu kreu- 
zen, wenigstens tritt ein solches Verhältniss an den zahlreichen und zum 
Theil bedeutenden Kirchen zu Breslau unzweifelhaft hervor. In der frü- 
heren Zeit scheint hier der Hausteinbau vorgeherrscht zu haben , und der 
Dom, dessen Grundanlage die einer romanischen flachgedeckten Pfeiler- 
basilika ist, zeigt diese Bauweise in seinem Mauerwerk, während die später 
hinzugefügten Gewölbe in Backstein ausgeführt sind. Das Gebäude er- 
scheint in stattlicher Entfaltung, mit westlicher Vorhalle zwischen zwei 
Thürmen , lang vorgelegtem , geradlinig geschlossenem Chor, 'um welchen 
sich die niedrigen Abseiten, ohne durch ein QuerschiH unterbrochen zu 
sein, als Umgänge fortsetzen. Der Chor ist streng in fi-ühgothischem Styl 
mit sechstheiligen Kreuzgewölben, ziveitheiligen Fenstern und edlen De- 
tails, an seinen Umgängen sogar noch ein Gemisch romanischer und gothi- 
scher Formen. während das Schiff mit seinen Nebenschiffen in viel späterer 
Epoche eingewölbt wurde.  Schon an der einschiffig mit Kreuzarmen 
und langem Chor angelegten. in ihren Haupttheilen aus frühgothischer Zeit 
stammenden Dominikan erkirche tritt für die Mauermasse der Back- 
stein auf, in dem eleganten Bogenfries der Südseite charakteristisch aus- 
geprägt; in den Fenstermasswerken dagegen herrscht der Sandstein.  
Dies Verhältniss bleibt denn auch in der Folgezeit gültig, wie es die übri- 
gen Bauten, besonders die grossartige Elisabethkirche aufweist. Hier 
tritt ein für diese Gegenden charakteristisches Streben nach schlanken, ele- 
ganten Verhältnissen entschieden hervor, so dass das Hauptschiff an Höhe 
ungefähr das Anderthalbfache der Seitenschifie misst. Wie am Dom fehlt 
hier das Querhaus , und die drei Schiffe schliessen in drei Polygonchören. 
 An der Magdalenenkirche herrscht eine verwandte Anlage und 
Auffassung der Verhältnisse. nur dass der Chor geradlinig schliesst und 
überhaupt die Wirkung des Inneren etwas nüchtern erscheint. 
Aus der grossen-Anzahl von Hallenkirchen nennen wir zunächst eben- 
falls in Bre slau zwei Kirchen, unter denen vornehmlich die San dkirche 
(Liebfrauenkirche auf dem Sand? durch einfach klare, gesetzmässige An- 
lage, edle Verhältnisse, reich entwickelte Gewölbe, elegant decoratives 
Fenstermasswerk und dreifachen Polygonschluss des Chors sich auszeich- 
nßt-  Interessant wegen ihrer abweichenden Anlage ist sodann die Kreu z- 
kirche , ein Kreuzbau mit dreischiffigem Langhaus und lang vorgelegtem 
Chor, der gleich den Querarmen polygon geschlossen ist. Unter der Kirche 
zieht Sich in ganzer Ausdehnung eine geräumige Unterkirche hin.  Eins 
der glänzendsten Beispiele des reich entwickelten Backsteinbaues ist die 
Marienkirche zu Prenzlauf) , von 1325 bis 1340 errichtet. Ihre 
viereckigen Pfeiler sind lebendig gegliedert, der Chor ist in ganzer Breite. 
der drei Schiffe geradlinig geschlossen. Was dieser Kirche aber ihre eigen- 
thümliche Bedeutung gibt , das ist die eben so kühne als zierliche Anwen- 
dung durchbrochenen Stab- und Masswerks, welches, durch elegante Fia- 
lenaufsätze gekrönt, dem Aeusseren, namentlich dem Ostgiebel, eine höchst 
 Abbildungen in G. G. Kallenhavhä: Chronologie der deutsch- 
München 1844.  
-mittelalterlichen Baukunst. 
F01.
        

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