Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1684894
Drittes Kapitel. 
Gothischer Styl. 
481 
Seitenschiffe, ein Querbau, polygoner Chorschluss mit Umgang und Ka- 
pellenkranz, viereckige, durch feine Gliederungen belebte Pfeiler charak- 
teristisch. Ein Thurmbau fehlt nach der Regel dieses Ordens; nur ein 
Dachreiter erhebt sich auf der Kreuzung.  Minder fein entwickelt, aber 
zu stattlichster Raumentfaltung gesteigert, 
Fie- 407- findet sich derselbe Styl an dem nach 1350 
I] 3x, vollendeten Dom zu Schwerin (Fig. 407). 
I? z   Unschön ist an den Oberfenstern des Schiffes 
4'" 1': die gebrochene Linie, mit welcher der iiache 
  u a" Spitzbogen auf die verticale Wendung stösst. 
s.  .7; i? II  Von kolossalen Verhältnissen, namentlich 
  "Ä   von übermässig kühner Erhebung des Mittel- 
 ,  ' " schiffes ist die Marienkirche zu Rostock, 
.9  nIA- von 139.8 bis 1472 nach demselben Grund- 
MVIX 1x5. I. plan errichtet, aber mit achteckigen Pfeilern 
, r   _ 3  und einer bereits verfiachten, nüchternen 
  II Formenbehandlung. Das ganze Aeussere des 
. ,.t  iJ-"vl _ mächtigen Baues ist mit schichtweise wech- 
i  Äynx lfQk b. selnden glasirten Ziegeln von gelber und 
"V" f?)  schwarzer Farbe verblendet.  Auch die 
 in);  Marienkirche zu Wismar schliesst sich 
  N in verwandter Ausbildung demselben Schema 
a?   IN  an.  Sodann hat diese Grundform sich nach 
ü?  Pommern verbreitet, wo die 1311 begonnene 
" m" Nikolaikirche zu Stralsundl) ein statt- 
' E  liches Beispiel bietet, welches an Grossartig- 
V1  w keit durch die riesig hohe Marienkirche 
Dom zu Schwerin. daselbst, im J. 1460 vollendet, noch über- 
boten wird. Doch spürt man in diesen spä- 
teren Bauten bei gesteigerten Maassen bereits ein Erkalten des feineren 
architektonischen Sinnes, wie denn in der letztgenannten Kirche der bereits 
am Schweriner Dom bemerkte hässliclge Feusterdschläxss VOTkEIIIIIYC.  Auch 
die im osante Marienkirche zu targar , eren ac teckige Pfeiler 
merkwiirdiger Weise dicht unter denrKaftiitalindeinenäiranz von Nischen 
mit zierlichen Baldachinen haben, sc 1 iess S10 ieser ruppe an. 
Mancherlei abweichende Elemente, wenngleich auf der gemeinsamen 
Grundlage ähnlicher Planform, geben sich an der im edelsten frühgothischen 
Styl seit 1'273 erbauten , jetzt nur noch als malerische Ruine vorhandenen 
Cisterzienserabteikirche C horin kund 2). Ihre Pfeiler schwanken zwischen 
viereckiger und achteckiger Form und zeigen verschiedene Gliederung. Der 
Chor ist dem Querhause einschiffig vorgelegt, aber in reicher Polygonform 
geschlossen. Die elegante Schlankheit, die klare Lauterkeit der Verhält- 
nisse, der einfache Adel der Formen, 'erheben diese Kirche zu einer der 
gehängten Schöpfungen des Ziegelbaues, Selbst die Fenster haben, eine in 
dieser Architektur seltene Erscheinung, Krönungen von mannichfach ge- 
staltetem Masswerk.  In edel entwickeltem Styl und verwandter, gross- 
Kirchen in 
Pommern  
Kirchen in 
der Mark. 
1) Ueber die pommerschen Kifchen vgl.  Kuglczds pommcrsche Kunstgeschichte, neu abgedruckt 
und mit Zeichnungen ausgestattet m den Klexnen Schriften Bd. I. 
2) Das Kloster Chorin, aufgenommen von Brecht. F01. Berlin 1854. 
L ü bke , Geschichte d. 
Architektur.
        

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