Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1684868
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Fünftes Buch. 
vorwiegend massenhafte Behandlung der Architektur doch eine ganz beson- 
dere Physiognomie, so dass man oft schon aus dem gezeichneten Grund- 
plan den Ziegelbau erkennt. Die Pfeiler werden nur in der ersten Zeit 
ausnahmsweise rund gebildet; bald gibt man ihnen eine für d_en Ziegelbau 
angemessenem vier- oder achteckige Form (vgl. Fig. 402 und 403), deren 
Fig. 402. 
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 J akobikirclne zu Rostock. 
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Seiten man indess durch vorgelegte Bündelsiiulen, auf den Ecken durch 
Einkerbungen und ähnliche Glieder, zu beleben weiss. Erst in späterer 
Zeit lässt man sie ohne Dienste aufsteigen. Die Sockel bildet man in ein- 
fachster Weise, oft nur durch eine Schmiege, die Kapitale werden bisweilen 
mit Laubwerk aus gebranntem Thon geschmückt, der Regel nach indess 
durch wenige Glieder bezeichnet. Die Laibung der Scheidbögen befolgt in 
ihrer Profilirung nicht die elastisch gespannten Linien, die der Hausteinbau 
hatte; runde oder eingekehlte Glieder, mit runden wechselnd, bilden das 
Profil, welches in späterer Zeit jedoch nüchterner durch Auskantungen 
hergestellt wird. Am rohesten erscheinen die Fenster. Ihre Wendungen 
sind gewöhnlich rechtwinklig gemauert, an den Ecken wohl mit einem fei- 
nen Rundstabe eingefasst. Ihre Pfosten zeigen sich in ungemein plumper, 
 derber Profilirung und bilden nur selten , und dann meist in der frühgothi- 
Sehen Epoche, ein bekrönendes Masswerk von immerhin einfachen, doch 
organischen Formen. Meistens schliessen sie sich blos in besonderen Bögen 
zusammen oder stossen, unvermittelt aufsteigend, in die Umfassung des 
Fensters. Ueberhaupt herrscht im Aufbau des Inneren ein massenhaftes 
Verhältniss ; neben den Fenstern bleibt viel Mauerfläche übrig. Die Gewölbe 
sind in früherer Zeit mit Kreuzrippen gebildet; im Laufe des 14. Jahrh. 
kommen aber, namentlich in den preussischen Ordensländern , zierlich be- 
wegte, reich entwickelte Stern-, Netz- und Fächergewölbe auf, die in 
"i  eigenthümlichen Gegensatz zu der unbeweglichen Strenge und herben 
 SChWOTfälligkEll? des Ußbrigen treten, Das ganze Innerg liegs man unver- 
putzt in natürlicher Farbe des Materials stehen; nur die Gewölbkappen 
wurden geputzt und in der Regel mit Gemälden ausgestattet. 
Das Aeusserß- Am Aeusseren macht sich der massenhafte Charakter noch entschiede- 
ner. geltend. Die grossen Flächen, die Strebepfeiler, die Thürme sind über-
        

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