Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1680347
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Erstes Buch. 
Schutthügel, so umfangreich, dass man für den ersten Augenblick sie für 
Werke der Natur halten möchte, erheben sich noch jetzt als die Reste der 
hervorragendsten Gebäude. Dieser Zustand von Zerstörung ist durch die 
Beschaffenheit des verwendeten Materiales bedingt. Denn da das Land, 
 weithin ein alluvialer Schlammboden, keinerlei Gestein bietet, so waren die 
Babylonier gezwungen, ihre Bauten mit Ziegeln aufzuführen, die entweder 
an der glühenden Sonne jenes Erdstrichs gedörrt, oder im Ofen gebrannt 
wurden. Diese sind nun zum Theil verwittert, zumTheil durch Brand zerstört 
und verglast. Auch wuschen die gewaltigen Regengüsse, Welche die Winter- 
zeit jener Gegenden begleiten, tiefe Rinnen und Schluchten in die bereits 
 zerstörte Oberfläche, die Winde überwehten sie mit dem Sande der Wüste, 
 und endlich holten die Araber Steine von dort hinweg zur Erbauung ihrer 
YVohnungen. So gewähren die kolossalen, fast formlosen Schutthügel den 
Eindruck eines erhabenen Grauens, das oft durch den wirklichen Schrecken 
der in den Klüften lauernden Räuber oder in den Höhlen hausender wilder 
Thiere verstärkt wird. Als der englische Reisende Ker Porler die Ruinen 
besuchte, sah er auf dem Gipfel eines der höchsten Hügel zwei majestätische 
Löwen, die auf der Höhe der Pyramide in der Sonne auf und ab wandelten. 
 Es war dies der vom Volke Birs-i-Nimrud, d. i. Thurm des Nimrod, 
i  genannte Hügel, den man seiner Lage und Beschaffenheit nach mit ziemlicher 
Gewissheit als den Tempel des Belus ansieht. Er erscheint als ein massi- 
ver, aus ungebrannten Backsteinen erbauter und vermuthlich mit Erde oder 
Schutt ausgefüllter Thurm, der in mehreren über einander zurücktretenden 
Absätzen errichtet und mit gebrannten und mit Inschriften versehenen 
Backsteinen bekleidet war, zwischen denen eine sehr dünne Lage von 
Kalkmörtel oder Asphalt und Mattengefiecht sich befand. Man will vier 
Stockwerke deutlich erkannt haben. Der untere Umfang des ungeheuren 
lrümmerhaufens misst 2286 und seine Höhe beträgt 235 Fuss, also unge- 
fähr die Hälfte des ganzen Thurmes, dessen Höhe von den Alten auf etwa 
600 Fuss in acht Stockwerken angegeben wird. Ein anderer Trümmerberg, 
Sllulschelibo. Mudschelibe genannt, scheint auf seinem Gipfel mehrere Gebäude ge- 
tragen und auf den vier Ecken Thürme gehabt zu haben. Er ist von ähn- 
licher Bauart, seine Seiten sind genau orientirt, und sein Umfang beträgt 
an der Basis 21 l 1 Fuss. Von den übrigen Hügeln ist noch der sogenannte 
111 Kasr. E1 Kasr (d. h. Palast) zu erwähnen, in dem man den neuen Palast des 
Nebukadnezar zu erkennen glaubt. 
Anlage dur- Bei all diesen mächtigen Bauten bleiben wir über die Anlage und Bew 
5011"" handlung des Innern im Dunkeln. Von architektonisch ausgeprägten For- 
men ist Nichts bemerkt worden. Ein kolossaler, aus grobem grauen Granit 
gehauener Löwe, vielleicht ein Thorwäc-hter, wurde gefunden. Von den 
Thoren berichten übrigens die alten Schriftsteller, dass ihre Thürflügel so- 
wohl wie die Pfosten aus Erz geformt waren. YVichtig ist die Bemerkung, 
dass die gefundenen Backsteine sämmtlich den Namen Nebukadnezafs 
tragen, ein Beweis, dass die Ueberreste nicht von der ältesten Stadt, 
sondern von den Bauten jenes grossen Königs, der um 600 v. Chr. regierte, 
herrühren. 
Ruinen von Bedeutendere Aufschlüsse haben wir durch die Ausgrabungen erhalten, 
mmvcl" welche Botta und in IIBLIGStGY Zeit Layarzl in den Gegenden gemacht haben, 
M udschelibv 
151 Kasr. 
Anlage dur- 
selben.
        

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