Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1684568
448 
Fünftes Buch. 
Entwicklung 
des Styles. 
H allen- 
kircheln. 
Inneres der- 
selben. 
Im Allgemeinen ist hervorzuheben, dass die strenge, primitive Auf- 
fassung der gothischen Architektur, die in Frankreich in so zahlreichen 
bedeutenden "Werken sich kundgibt, in Deutschland nur vereinzelt auftritt. 
Natürlich; denn im Nachbarlande war der Styl schon aus der Herbigkeit 
der ersten Anfänge zu einer gewissen Reife gediehen, als er in solcher Form 
nach Deutschland gelangte. Hier wurde er nun mit wahrhaft genialem 
Blick erfasst und zu jener inneren Harmonie, Klarheit und Lauterkeit ent- 
wickelt, welcher wir bei der Schilderung des Systems die einzelnen Züge 
entlehnt haben. Zugleich aber findet , unter dem Einfluss des nach indivi- 
duellem Leben ringenden deutschen Geistes, eine Mannichfaltigkeit der 
inneren Entwicklung Statt, wie sie in dieser Breite und Tiefe weder Frank- 
reich noch England kennt. Aus diesem nationalen Grundelemente keimte 
nicht allein die höchste Blüthe des französisch-gothischen Kathedralenstyls, 
sondern erwuchs auch eine ganz neue , von jener hergebrachten völlig ver- 
schiedene Grundform, die man als wesentlich deutsche ansprechen muss. 
Und doch war sie nur ihrer neuen Ausgestaltung, nicht dem Grundgedanken 
nach neu, denn wir fanden sie in einem urdeutschen Lande, in Westfalen, 
bereits während der romanischen Epoche. Es ist die Hallenkirche. 
Schon in frühgothisicher Zeit tritt sie auf, vorzüglich im nordöstlichen 
Deutschland, von Westfalen bis nach Preussen, zahlreich verbreitet, in den 
südlichen Gegenden mehr vereinzelt vorkommend. In ihr gewinnt der 
gothische Styl einen durchaus neuen Charakter. Indem die Seitenschiife zu 
gleicher Höhe mit dem mittleren emporgeführt werden, bekommen zunächst 
Fig. am. " 
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  QllETdUFChSChhitlI einer Hallenkirche.   
die Pfeiler eine ungemein schlanke Gestalt. In der Regel behalten sie die 
runde Grundform mit angelehnten acht oder vier Diensten bei, Werfen in 
späterer Zeit, etwa Seit der Mitte des 14. Jahrh., dieselben jedoch häufig 
fort und stehen als hohe, nackte Rundpfeiler da , aus deren Kapitälgesims 
die Gewölbrippen ohne innere Vermittlung hervorgehen. Manchmal findet 
man indess auch achteckige Pfeiler mit Bündeln oder ohne dieselben.
        

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