Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1680334
Zweites Kapitel. 
Babylonisch-assyrische Baukunst. 
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als künstliches Ufer dienen, Kanäle und Bassins, die den Uebcrlluss des 
YVassers ableiten, aufnehmen und befruchtend über das Land vertheilen 
sollten. Der Tigris dagegen, dessen reissend schnelle Strömung in der 
trockenen Jahreszeit Mangel an Wasser erzeugte, wurde durch Steindämme, 
deren mächtige Ueberreste noch jetzt Aufmerksamkeit erregen, in seinem 
Laufe gehemmt. Gegen die Einfälle der nördlich angrenzenden rauhen Berg- 
völker suchte man sich durch eine hohe Mauer, die vom Euphrat bis zum 
Tigris das Land absperrte, zu sichern. 
Weisen diese Unternehmungen, deren Spuren zum Theil die Jahrtau- NMMTVhW" 
sende überdauert haben , schon auf eine grossc Rührigkeit hin, so sind die der Mtem 
Nachrichten der alten Schriftsteller von der Grösse jener Städte, der Pracht  
und der Menge ihrer Gebäude geeignet, diesen Eindruck bis in's Wunder- 
bare zu steigern. Babylon wurde in einem Umfange von 480 Stadien oder 
beiläufig 12 geographischen Meilen von Mauern umgeben, die bei einer 
Höhe von 50 bis 300 Ellen so breit waren, dass ein Viergespann auf ihnen 
bequem umwenden konnte. Wenn auch diese Grösse durch die weitläufige 
Bauart solcher orientalischen Städte, die einen beträchtlichen Complex von 
Gärten in sich schliessen, in etwas gemindert wird, so bleibt sie immerhin 
staunenswerth genug. In der -Stadt ragte unter den Prachtwerken der 
Tempel des B elus oder Bal durch seine Kolossalität hervor, ein in acht Tßglerllßillsllßs 
Stockwerken sich verjüngender Bau von quadratischer Grundfläche, der an  
der Basis an 600 Fuss in's Geviert und eben so viel an Höhe mass. Eine 
Treppe zog sich um diese acht Absätze herum und führte zu einem Tem- 
pel, der das oberste Geschoss einnahm und goldene Statuen, sowie das 
Ruhebett und den goldenen Tisch des Gottes umschloss. Eine Mauer von 
anderthalb Meilen im Umkreis diente dem heiligen Tempelraum als Um- 
friedung. Nicht minder bedeutend waren die beiden königlichen Paläste, Paläste- 
deren jüngerer und prächtigerer dem grossen Nebukadnezar seine Entste- 
hung verdankte. Dieser König umgab auch die Stadt mit einer dreifachen 
Mauer und führte das Wunderwerk der hängenden Gärten auf, welche Häyämlde 
die Sage mit dem Namen der Semiramis in Verbindung setzt. In Wahrheit M an" 
aber, so wird erzählt, baute der König dieselben seiner medischen Gemahlin 
Nitokris zu Liebe, um ihrer Sehnsucht nach den heimischen Gebirgen durch 
einen grossartigen T errassenbau zu genügen. 
Von diesen Werken ist Nichts erhalten als eine Reihe riesiger Schutt-  
berge und wirrer Trümmerhaufen. Als Babylon durch Cyrus erobert worden 
war, sank der frühere Glanz der Stadt Schnell dahin. Xerxes zerstörte den 
prachtvollen Tempel des BeluS- Alexander der Grosse beabsichtigte ihn 
wieder aufzubauen , aber Sein Plan scheiterte an der Kolossalität des Wer- 
kes. Denn so mächtig waren die Massen desselben, dass zwei Monate lang 
Zehntausend Mann Vergeblich Sich mühten, die Trümmer bei Seite zu 
schaffen. Alexander begann selbst die Mauern der Stadt niederzureissen,  
deren völlige Zerstörung nachmals durch Demetrios Poliorketes bewirkt 
ward. Von nun an ging die Stadt mit Riesensehritten der völligen Verödung 
entgegen. Andere Städte erhoben sich statt ihrer; zunächst Seleucia, später 
Bagdad, das zu nicht minder fabelhafter Pracht erblühte. 
Gegenwärtig ahnt man nur in den öden Trümmerfeldern, die sich in Ruinen von 
der Gegend des Dorfes Hillah mehrere Meilen in der Runde auf beiden Huhn 
Ufern des Euphrat erstrecken, die alte mächtige Königsstadt. Ungeheure
        

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