Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1684535
Drittes Kapitel. Gothischer Styl. 
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Das Mittelschiff hat hier nur 35 Fuss Breite. das ganze Langhaus 76 Fuss, 
die innere Gesammtlänge beläuft sich auf 400 Fuss.  Ungefähr dieselbe Kirchen von 
Stylentwicklung zeigt der von 1235 bis 1252 erbaute Chor der Kathedrale 
von Ely, deren Langhaus und Kreuzarme noch der romanischen Epoche 1213-, 
angehören, seit 1322 aber auf ihrer Durchschneidung ein mächtiges Octagon 
von 65 Fuss Durchmesser erhielten, das mit seinem oberen Laternenaufsatz 
eine prächtige Lichtwirkung gibt. Die innere Länge der Kirche beträgt 
ohne die grosse Thurmhalle 420  die Breite 78 Fuss.  Noch weiter 
durchgebildet ist der Styl im Schiff und Querhause der Kathedrale von 
Lich f icld, von deren prächtigem Aeusseren wir unter Fig. 359 eine Dar- Lichüeld. 
stellung gaben. Hier sind die Triforien in edelster Weise entwickelt, die 
Dienste der einfachen Steingewölbe steigen vom Boden auf. die Oberfenster 
des Schiffes sind ungewöhnlicher Weise aus drei Kreissegmenten gebildet. 
Ungemein prachtvoll entfaltet sich die Facade mit drei Portalen, reichen 
Statuengalerien und brillantem sechstheiligem Mittelfenster und zwei schlank 
aufsteigenden Thürmen, die aber das Breite, Schwerfällige der Anlage nicht 
vermindern. Das Langhaus ist 66, das Mittelschiff sogar nur 29 Fuss breit, 
die Länge des ganzen Baues dabei 372 Fuss, also fast das Sechsfache der 
Breite. Der sehr elegante Chor mit seiner aus dem Achteck geschlossenen 
Lady Chapel ist ein Werk des 14. Jahrh.  In vieler Hinsicht abweichend 
von dem nunmehr schon ausgeprägten englischen Typus, weit mehr der 
französischen Kathedralenanlage sich anschliessend ist die grossartige  
YVestminster-Abteikirqhe zu London angelegt. Um 1245 be- KVcstminster, 
gonneif, wurde der Chor schon 1269 geweiht, und das Uebrige in ziemlich 
ununterbrochener Bauführung, mit Ausnahme des erst um 1700 vollendeten 
Oberbaues der Thürme, hinzugefügt. Hier tritt in dem polygonen Chor- 
schluss mit Umgang und fünf radianten Kapellen, deren mittlere später 
durch die Kapelle Heinrichs VII. verdrängt wurde, in dem dreischiffigen 
Querhause, in dem ausgebildeten Strebesystem mit doppelten Bögen, in der 
zuerst in England auftretenden Masswerkgliederung der Fenster das fran- 
zösische System unverkennbar auf. Auch die Höhe des Schiffes, die bei 
einer Gesammtlänge von 490 Fuss sich auf 101 Fuss erhebt, übersteigt das 
in englischen Bauten herkömmliche Maass.  In prachtvoller Ausstattung 
mit ungemein reich entwickelter Fensteranlage und brillanter, statuenge- 
schmückter Facade gestaltet sich der eigentlich englische Typus sodann an 
der von 1280 bis 1370 erbauten Kathedrale von Exeter, Hier fällt die Exem, 
Anlage zweier mächtiger T_hürme auf den beiden Kreuzarmen, welche Reste 
eines früheren Baues zeigen, als abweichend auf.  Zu edelsten mal-Star 
Durchbildung entfaltet sich dieser Styl im Schiff der Kathedrale von York, x-Ork, 
von 1291 bis 1330 erbaut; der Chor (1361 bis 1405) zeigt den reicheren, 
aber innerlich nüchternen Styl der späteren Zeit, der an der höchst brinan- 
ten, im J. 1402 vollendeten Fagßßde (Fig. 3651 noch entschiedener sich 
ausprägt. Die Dimensionen gehören hier zu den bedeutendsten; die äussere 
Länge beträgt 518 , die innere 486 Fuss; dabei misst das Mittelschiff die 
ungewöhnliche Weite VOII 59, das Lallghaus im Ganzen 108 Fuss, und 
selbst das 220 Fuss lange Querhaus hat eine dreischifiige Anlage von 
96 Fuss Weite.  Auch die in Ruinen liegende Abteikirche von Melrose nahem 
(vgl. Fig. 361 u. 366) gehört in diese spätere Zeit.  Die üppige decorative 
Blüthe des spätgothischen Styles entfaltet sich vorzüglich in kleineren, den
        

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