Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1684384
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Fünftes Buch. 
grossen und tiefen Portalhallen und zwei auf schlanken Marmorsäulen sich 
öffnenden Galeriegeschossen einen deutlichen Einfluss italienischer Monu- 
Schweizer mente.  In der S chweiz vertritt die Kathedrale zu L ausanne den 
Bame" rein und edel entwickelten frühgothischen Styl des nordöstlichen Frank- 
reich. In strengerer, mehr dem Charakter der Uebergangsepoche entspre- 
chender Weise gestaltet sich die Kathedrale zu Gen f. 
Profan-Archi- Die Pro fan-Architektur ist in Frankreich durch zahlreiche präch- 
tektm" tige Denkmale vertreten. Wir nennen nur den J ustizpalast zu Rouen; 
zu B ourges das Haus des Jacque s C oeur  eines reichen Privatmannes, 
der unter den Kriegen gegen die eingedrimgenen Engländer durch seinen 
Reichthum wichtige Dienste leistete, sodann aber durch Hofintriguen seines 
Vermögens beraubt, in's Gefängniss geworfen und zuletzt aus Gnade ver- 
bannt wurde; das Hotel de Cluny zu Paris; das Schloss Meillan 
bei S. Amand, das Hospital zu Beaune in Burgund, 1443 gegründet z). 
Dizkägäxler In den Niederl andeng) verbreitete sich bald von dem benachbarten 
Niederlahden,IlOrdÖStllChEn Frankreich aus der dort herrschende strenge gothische Styl, 
der in seiner primitiven Gestaltung selbst während der späteren Epochen 
in Uebung blieb. Namentlich ist die unentwickelte Form der Rundsäule, 
von deren Kapitäl aus die Gewölbdienste erst beginnen,  hier fast aus- 
schliesslich in Geltung. Auch werden die Abstände sowohl der Länge als 
auch der Breite nach grösser genommen, so dass die weiten Abtheilungen 
oft nur mit gewölbartigen Holzdecken versehen sind. Am Aeusseren kommt 
sodann, namentlich in späterer Zeit, eine brillante Decorationsweise in Auf- 
nahme, die indess zu dem baulichen Organismus in einem oberflächlichen, 
losen Verhältniss steht. Doch fehlt es auch hier nicht an einzelnen YVerken 
von grossartig künstlerischer Conception, meistens erst der späteren Ent- 
 Wicklung des Styles angehörend. Eins der frühesten ist der Dom S. Gu- 
  dula zu Brüssel, dessen Chor schon um 1226 begonnen und 1'280 voll- 
 endet wurde, ein Gebäude von bedeutenden Verhältnissen und streng pri- 
mitiver Durchführung des Inneren, mit mächtigen Rundsäulen und einer 
sehwerfälligen Galerie. Die Facade, in spätgothischer Zeit vollendet, ist 
reich entwickelt und mit zwei gewaltigen, horizontal abschliessenden Thür- 
men eingefasst. Am edelsten und reichsten entfaltet sich jedoch der gothi- 
Kägrliiä-ylv sehe Styl an dem im J  1318 geweihten Chor der Kathedrale zu Tournay, 
 einem der imposantesten Gebäude des Mittelalters, dessen Langhaus mit 
reichen Emporen und einem dritten 'l'riforiengeschoss noch die romanischen 
Formen und die flache Decke zeigt, während die Kreuzarme halbrund ge- 
schlossen und mit Umgängen , nach dem Vorbild von Maria im Capitol zu 
Köln, versehen sind, dessen Chor jedoch die glänzendste und anmuthigste 
 Blüthe des gothischen Styls repräsentirt. Noch ganz dem 13. Jahrh. gehört 
Liebfraixeiwk- der von 1'230 bis 1297 errichtete Chor der Liebfrauenkirche zu Brügge, 
"zu Bruggiä wo jedOCh in Origineller Weise der französische KathedralentypuS dahin 
vereinfacht ist, dass Umgang und Kapellen zusammengezogen werden. 
5-2122?" Aehnliches Zelgt der Chor von S. Bavo zu Gent, nur dass hier die Ka- 
1) Gailhabauzlie Denkm. d. Baukunst.  
2) Vcrdier et Cattoßs: Architecture eivile et domestique. 4. Paris. 
3) Schuyes: Histoire de Paxgchiteeture en Belgique. 4 Vols. S.  Auserdem besonders für Holland 
ein Aufsatz im Organ für christliche Kunst, Jahrg. 1856: "Ueber einige mittelalterliche Kirchen in den 
Niederlanden", mit Zeichnungen von Grundrissen und Details.
        

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