Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1684325
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Fünftes Buch. 
Kirchen 
zu Rouen. 
prachtvoll entfaltet sich dieser Styl an der Kathedrale von Rouen, deren 
Chor, vdn 1212 bis 1280 erbaut, in strengster frühgothischer YVeise be- 
handelt ist, während die erst im 16. J ahrh. vollendete Faeade brillant und 
überladen erscheint.  Eine andere Kirche zu Rouen, S. Ouen, seit. 
 Fig. 341.   
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Oneu zu Rauen. 
1318 erbaut, mit elegantem, dreischifligem Langhause (s. den Grundriss 
Fig. 347), zeigt ebenfalls einen freieren Styl.  Als höchst merkwürdiger 
Kathednvon Nachzügler spätester Zeit ist die Kathedrale von Orleans zu nennen, die 
mleam" in der Epoche moderner Kunst von 1601 bis 1790 ganz im gothischen 
Kathedralenstyl erbaut, harmonisch und reich, wenn auch in den Details 
nicht ohne nüchternen Anflug, als einer der seltsamsten architektonischen 
Anachronismen dasteht. 
Flnmboyant- Die spätere Zeit der gothischen Architektur in Frankreich, namentlich 
SQL seit dem Beginn des 15. J ahrh., bringt jene reiche und willkürliche Deco'- 
rationsweise hervor. welche die Franzosen als Flamb oyantstyl bezeich- 
nenÄ Der Ausdruck ist zunächst von dem Fenstermasswerk hergeleitet, 
dessen Figuren aus ilammenförmigen Mustern (den sogenannten Fisch- 
blasen) zusammengesetzt sind. Auch sonst erscheinen die Formen vielfach 
phantastisch umgestaltet, geschweifte Kielbögen werden besonders an den 
Portalen häufig angewendet, und die Flächen mit brillanter Decoration in 
ähnlich willkürlichen Formen überkleidet. Auch an den Gewölben kommen, 
in Verbindung mit dem complicirten Rippensystem der netz- und stern- 
förmigen Compositionen, mancherlei Masswerkmuster vor. Ausserdem wird 
ein keckes, pikantes Spiel mit den wichtigsten Elementen der Structur- 
getrieben, indem man die Rippen an dem einen Endpunkte von einer frei- 
schwebenden Console aufsteigen lässt. wie es sammt den übrigen Formen 
dieser Zeit die beigefügte innere Ansicht aus der Kathedrale von Alby 
 (Fig. 348i Zeigt. In glänzendstem Reichthum treten alle diese phantastisch 
1', spielenden Motive an dem unter Fig. 349 aufgenommenen Lettner der 
S. Madeleine zu Troyes vom J. 1506 auf, wo zugleich die reiche 
Zackenbesetzung der Bögen ebenfalls als Merkmal dieser Epoche Beachtung 
" verdient.   
Südfranzös. Im südlichen Frankreich erfährt die gothische Architektur mancherlei 
Mo""me"tc' Umgestaltungen. Sie wird massenhafter behandelt, die Verhältnisse sind 
minder aufstrebend, die horizontalen Linien vorwiegend, Die Strebepfeiler 
sind schlicht. derb, oft abgerundet, meistens ohne Fialenbekrönung, die 
Dächer nach der Bauweise des Südens flach ansteigend, die Facaden einfach
        

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