Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1684209
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Fünftes Buch. 
stande des Studiums macht. In späterer Zeit, etwa seit dem Beginn des 
14. Jahrh., zeigt die französische Gothik eben so wie die Denkmäler der 
 übrigen Länder den fertig ausgeprägtenStyl, wie er oben geschildert wurde; 
doch ist zu bemerken, dass auch jetzt häufig die äusserste Consequenz 
nicht erstrebt wird; dass das horizontale Element nicht so entschieden 
zurückgedrängt ist wie an den edelsten deutschen Denkmälern; dass na- 
mentlich die Facade (vgl. Fig. 342 auf S. 420) durch ein grosses Rosen- 
fenster und statuengeschmückte Galerien den Horizontalismus aufrecht 
hält. Auch die Thürme schwingen sich selten zu der kühnen Durchbrechung 
des Helms auf, die wir in Deutschland mehrfach finden werden; sie haben 
entweder eine schlanke Steinspitze, oder sind auch, ohne achteckiges Ober- 
geschoss, mit einer horizontalen Galerie geschlossen. 
Nordfranzüs. Die constructiven Grundgedanken des Systems wurden zuerst von den 
Denkmälel" nordfranzösischen Baumeistern so ausschliesslich festgehalten, dass die De- 
tailbildung oft noch ganz romanisch ist, während die Construction bereits 
 das neue Gesetzkund gibt. Ja in den ersten gothischen Bauten ist selbst 
der halbkreisförmige Chorschluss mit seinem Umgang und radianten Halb- 
kreisnischen, ganz wie ihn die romanische Epoche in Frankreich ausgebildet 
hatte, völlig beibehalten. So zeigt es sich in dem frühesten, entschieden 
gothisch ausgeführten Bauwerke Frankreichs, dem vom Abt Suger gleich 
s. Denis. nach 1 140 bereits erbauten Chor der berühmten Abteikirche S. D eni s bei 
 Paris, der Grabstätte der französischen Könige seit der Merowingerzeit. 
  Ijlier tritt zum ersten Mal an Arkaden, Gewölben und Fenstern der Spitz- 
bogen ausschliesslich auf, doch hat der Chor noch die reiche romanische 
 Form, einen Umgang mit sieben halbkreisförmigen Kapellen. An der Facade 
 dagegen, die 1140 beendet wurde, wechseln noch Spitzbogen und Rund- 
 bogen, wie denn auch die ganze Conception derselben genau mit dem im 
  nördlichen Frankreich ausgebildeten 
nä- 333- romanischen Facadentypus überein- 
  Q stimmt. Ungefähr aus derselben 
 1' ijtißi" Epoche folgt nun eine Gruppe von 
{X nf-ie-j.  K, j, Kirchen, welche 111 derselben Anlage 
  3 "d"    " des Grundplans, in'der gleichen 
      
 "X H f?  Ausbildung der Construction mit 
 n  jener ersten zusammenbringen, nur 
  ß   dass sie an den Fenstern meistens 
      noch den Rundbogen zeigen. Dahin 
Kathednvon  v, 3173117      gehört zunächst die Kathedrale von 
 Nvsvn- 7x M    V    ÄI Noyon, nach einem Brande vom 
 Xi]      J. 1131 erneuert, im Grundriss mit 
 l  i.  "p" ll der bemerkenswerthen, an die gros- 
  sen rheinischen Kirchen des roma- 
   nischen Styles erinnernden Gestal- 
  -3. _L_  '_'iit tung der Kreuzarmeiiin hillbkreis- 
Kathedrale mxowh  förmigem Schluss (Fig. 3333). Das 
  Langhaus hat die. dieser Gruppe 
gemeinsame, ebenfalls noch auf älterer Tradition beruhende Anlage voll- 
ständiger Emporen über den Seitenschiffen, welche sich (vgl. Fig. 334) mit 
 Säulenarkaden gegen den Mittelraum öffnen; darüber aber zieht sich noch
        

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