Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1684088
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Buch. 
Fünftes 
ist. S0 verkümmert der gothische Styl in seinem auf die-Spitze getriebenen 
Streben, Alles gleichsam aus eigenen Mitteln zu bestreiten, am Aeusseren 
 die Mitwirkung der Plastik, wie er irn Inneren die Thätigkeit der Malerei 
  beschränkt hat. Wie diese Kunst sich auf die ungenügenden Darstellungs- 
mittel farbiger Glasstücke verwiesen sah, so war die Plastik gehindert, ihre 
Figuren, die sich in äusserste räumliche Beengung einzwängen mussten, 
körperlich frei und lebenskräftig zu entwickeln. Sie haben fast durchgängig 
etwas Schmalschulteriges, wie der vollendete gothische Dom selbst. In 
Deutschland, wo die gothische Architektur in schärfster Einseitigkeit sich 
 ausbildete, vermochte die Sculptur an der Architektur am wenigsten zur 
Geltung zu kommen; besser gelang es ihr in Frankreich. wo man die Facade 
 .oft gänzlich mit lStatuenbedeckte, dadurch aber freilich die-Consequenz 
des Systems schwächte.    
Winjpel-ge.     x  Da das Portal mit seiner 
n? '32"  Gliederung kräftig aus der Mauer- 
   flache vorsprang, so gab man 
     ihm als oberen Abschluss einen 
 i, i,  Spitzgiebel, den die alten 
i)"   q Werkmeister n W impergea , 
t   y  d. h. Wind-Berge," Schutz vor 
     j,   dem YVinde, nannten. Man flan- 
Ei 7'     lil- kirte ihn auf beiden Seiten mit 
 V NAYVNFW  an,    ll Fialen. bedeckte seine Fläche mit 
  i;   ' j  lt, '    ll blindemMasswerknndschmückte 
 i" l-ll   i,"  li  i "ihn auf den Kanten mit Krabben 
 l:  ÄK  und einer Kreuzblume. Diese 
 w   A    Wimperge liebte man überall da 
l E  w Hüllen   i ? ll   d r   B f 
 , „  ,  lx,    anzuwen en, im eine ogen orm 
 i)? XC läx  4 i! selbständig aus der Mauermasse 
"i iff ; i_ _ Xi,  V  vortrat, also namentlich auch an 
  y K,  Fenstern (Fig. 327) , auch wohl 
l X  idh "t an den Chorkapellen, um deren 
X ß   .1   t '  Dächer zu verdecken. _Auch die 
l  ß,  j    xlßlt m  Seitenansicht der Kathedralen. 
    _die über dem Dachgesims in der 
     Regel eine Galerie freien Mass- 
yß a, WQRWWÄV  Werks haben, wird Oft durch die 
{N E 1 . EX ä? über den Fenstern aufsteigenden 
f, w    jd      l  Wimperge charakteristisch  be- 
 "I M13  "  '  lebt. Durch die schlanken Giebel 
 v. lllllqllgl U l ylilllllllllllbi]   effährä die Horizonlale lieslän- 
  l" imllilllil llllllil lll    "dlge Unterbrechungen, wird das 
wimpei-ge vom Kühn, Dmi Einzelwesen der Bautheile schär- 
 fer ausgesprochen, bekommen die 
oberen Theile einen noch leichteren. luftigeren Anschein. 
Qbe,ge,c1w,s_ Weiter hinauf wird nuin der mittlere Theil der Facade entweder Selb- 
 ständig ohne Beziehung auf die beiden Thürme behandelt, oder man betont 
die innige Verbindung dieser Theile dadurch, dass man die Hauptgesimse 
an der ganzen Breite der Facade durchführtm In letzterem Falle folgt
        

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