Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1680288
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Erstes Buch. 
Felsen gemeisseltengElephanten, in Qeren Nähe je eine hohe, wunderlich 
geformte Säule stehittt, die einen sarkophagähnlichen Steinblock trägt. Die 
 Mitte aber nimmt eine quadratische 
Fig. 7. Vorhalle ein , durch deren unteres 
  wäre, 61' XIVQ Zllm HELLI ttem el 
  daä obere das lläild des 
    Ochsen Naudi, des Lastthieres Sivzfs, 
 31     3  umschliesst. Schwebende Steinbrücken 
zä   1  verbinden dies obere Geschoss mit der 
     :  Eingangshalle und dem'Tempel. Die- 
;    '   :  ser stellt sich als gewaltiger Felskoloss 
i       von etwa 90 FuSS Höhe dar, den man 
     derartig ausgehöhlt hat, dass er, aus- 
  "    .   E  ser einem Hauptraume von 103 Fnss 
 1 ä l.  ÄEE  an  Lan e und 56 Fuss Breite noch sie- 
  es "E1    3   ' 3 
     ben symmetrisch ihn umgebende lhe- 
X1    benkapellen hat. Auch von diesen sind 
 l l 5..  wieder zum T heil schwebende Brücken 
 T!   . in f, zu den benachbarten Grotten hinüber- 
 ßig]  S]  geschlagen, welche die das ganze selt- 
  w  E"   sameBziusystem einschliessenden Fels- 
 wande durchbrechen.  Der Tempel 
  "  stehen gebliebene Steinpfeiler von nur 
 s" 17 Fuss Höhe, die mit eben so vielen 
Kailasa zu Elloni (Grundriss). aus den XVänden hervortretenden Pi- 
lastern durch ein Steingebälk verbun- 
den werden, in fünf Schiffe eingetheilt, von denen das mittlere die übrigen 
an Breite übertritlt und auf einen besonderen engen Raum hinführt. Dieser 
wird von zwei riesigen Figuren am engen Eingange bewacht und umsehliesst 
gleichsam als Sanctuarium das kolossale aus dem Felsen gearbeitete Bild 
des Gottes. 
 Fasst man diese imposante Arehitekturgruppe in's Auge und erwägt, 
dass das Ganze durch Menschenhiinde aus dem Felsen, und zwar dem här- 
testen Granitgestein, herausgemcisselt worden ist, so muss die Ungeheuer- 
lichkeit der Arbeit W0l11 in Staunen setzen. Nun bedenke man aber, dass 
diese Gebirgsmassen nicht etwa roh aus dem Naturgestein herausgehauen, 
sondern in allen Theilen , man mag die umgebenden Felswände mit ihren 
vortretenden Pfeilerarkaden, oder die Aussenflächen der Eingangsgrotte des 
Haupttenipels und der N ebenanlagen , oder das Innere sämmtlieher Räume 
betrachten, mit Bildwerken, Reliefs, unzähligen Thier- und Menschen- 
figuren, wunderlichen Schnörkeln aller Art überdeckt sind; dass die mei- 
sterhafte Feinheit und Sorgfalt dieser bis in's Kleinste ausgearbeiteten De- 
tails in einem seltsamen Contraste zu der Massenhaftigkeit der ganzen An- 
lage steht. Da. sind hundertfach wiederholte Götzenbilder oder Reihen von 
Löwen und Elephanten, die als Sockel die Kapellen umgeben; phantastische, 
kolossale Menschengestalten, die karyatidenartig die überragenden Gesimse 
tragen; mythologische Darstellungen aller Art, Schilderungen von Schlach- 
ten und Siegen, und zwischen all dem bunten Gewirr zahlreiche Inschriften.
        

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