Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1684027
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Fünftes Buch 
Bemalung der architektonischen Glieder erscheint im gothischen Styl etwas 
zurückgedrängt, da hier das XVesen derselben durch ihre plastische Form 
bereits klar ausgesprochen war. Aehnlich verhielt es sich ja auch in der 
Antike, wo der ionische Styl, jemehr er die Glieder plastisch durchbildete, 
der farbigen Ausschmückung sich entzog. Oft liess man die Pfeiler in der 
natürlichen Beschaffenheit ihres Steinmaterials nackt stehen. Nur an den 
Kapitälen scheint man eine Vergoldung des Blattwerks auf rothem Grunde 
geliebt zu haben. Die Gewölbkappen wurden verputzt  und entweder mit 
goldenen Sternen auf blauem Grund, oder auch mit figürlichen Darstellungen 
geschmückt. Jedenfalls sah man darauf, dass das Innere auch in der Be- 
malung eine harmonische Gesammtwirkung hervorbrachte. 
DasAeusscre. Bei der Betrachtung des Aeusseren treten zunächst und am meisten 
Strebepfeilcr. die Strebepfeiler hervor. Auf ihnen beruht vorzüglich der selbständige, 
von anderen Bausystemen abweichende Eindruck des gothischen Styles. 
  Es sind dies mäch- 
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     Fenster durchbro- 
Fig. 320. Dom zu Halberstadt. Querdurchschnitt. chen istv Sokbegldrfte 
es nur eines rä tigen 
Widerlagers gegen die einzelnen Stützen (vgl. Fig. 320). Mit den übrigen 
Mauerflächen sind die Strebepfeiler durch den gemeinsamen Sockel und das 
unter den Fenstern sich hinziehende Gesims verbunden. Ausserdem aber 
haben sie noch mehrere , an der Vorderseite durch untergeordnete Gesimsß 
 bezeichnete Absätze, mit welchen sie sich nach oben verjüngen. 1716888 
Abnehmen an Masse, dem Princip organischen Aufwachsens entsprechend, 
wird durch die statischen Gesetze bedingt, welche die ganze Wucht des 
sich anstemmenden Gegengewichts nach unten verlegen, WähTend an den 
oberen Theilen eine minder kräftige Bildung ausreicht. Mit diesen Strebe- 
pfeilern sind aber nur die Seitenschiife geschützt; es galt, auch den frei 
emporragenden Mittelbau zu sichern. Wohl führte man, dies zu bewirken,
        

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