Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1683985
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Fünftes Buch. 
sehen Kunst, durch Gruppirung von Einzelgliedern bewerkstelligt. Zunächst 
verband man die Pfosten unter einander und mit den Seitenwänden durch 
kleine Spitzbögen (vgl. Fig. 312). Je zwei derselben wurden sodann zu 
einer Gruppe geschlossen durch einen von dem mittleren Pfosten "zu der 
Seitenwand hinübergespannten grösseren 
Fis- 316- Bogen. S0 ergaben sich in unterster 
Reihe vier, in mittlerer zwei Bögen, die 
A zusammen wieder von dem Hauptschluss- 
I X bogen des Fensters umfasst wurden. Es 
A blieben nun aber ziemlich weite Oeff- 
 nungen übrig, welche sowohl aus con- 
V structiven wie ästhetischen Gründen aus- 
o i    
x i, A 4 i) gefullt werden mussten. Hierzu bediente 
W j  y Ä  man sich einer bereits im Uebergangsbau 
   151;] "Q1; gebräuchlichen Form, die man indess 
  1!    W reicher und mannichfaltiger entwickelte. 
  h Wl Ü   131i; t. Nach Analogie jener aus mehreren Kreis- 
 Iigilw h   Segmenten zusammengesetzten Klee- 
 will!!!  Wlltlßilli," blattmuster bildete man kleine aus drei, 
lßiV-l-i" llii "9  lwrlil vier oder mehreren Bogentheilen beste- 
 Wiesenkirehe zu Svest- (15- JahvhJ hende Figuren, die sogenannten P äs s e, 
 Drei-, Vier-, Fünfpässe u. s. w. Mei- 
stens spannte man sie, wie bei Fig. 312, in einen Kreis oder auch wohl, 
wie bei Fig. 314, in eine andere mathematische Figur hinein, deren Seiten 
Fim 3m jedoch, zufolge der in der ganzen Fensterbildung 
 herrschenden elastischen Spannung, aus kleinen 
 Kreissegmenten bestanden. Die vorspringenden 
 Spitzen dieser Passe (vgl. Fig. 317) nannten die 
  alten XVerkmeister mit bezeichnendem Ausdruck 
Mm vNaSEnu. 
Verschiedene Dies Masswerk, wie man die ganze Fensterkrönung im Gegensatz 
Ausblldu"? zum Stabwerke , den aufsteigenden Pfosten, nennt, bildet eins der wich- 
tigsten Elemente der gothischen Architektur, welches in seiner mannich- 
fachen mathematischen Combination von den alten Meistern mit Vorliebe 
 ausgebildet und an vielen anderen Theilen des Bauwerks verwendet wurde. 
Im Inneren findet man es besonders noch an den Triforiengalerien, deren 
Bögen oft in zierlicher Weise mit Drei- und Vierpässen und anderen noch 
reicheren Figuren geschmückt wurden. Die principiell entwickeltste Fen- 
sterbildung ist wohl die, von welcher Fig. 314 ein Beispiel gibt. Sie zeigt 
am klarsten die Strenge Consequenz , nach welcher der gothische Styl die 
einmal angenommene Formel in einer bestimmten Progression auf allen 
Stufen Wiederholt. Bei dieser Form ist es Hauptbedingung, dass alle Bögen 
gleichartig und zwar aus dem gleichseitigen Dreieck beschrieben sind. Bis- 
weilen, in England sogar häufig, mischte man aber Bögen verschiedener 
Art in demselben Fenster zusammen, wodurch eine Weniger klareund ge- 
setzmässige Figur hervorgebracht wnrdeß. Die frühgothische Zeit bildete 
Pfosten und Passe aus rundlichen Gliedern , erst der entwickelte Styl gab 
ihnen eine scharf eingezogene Form, die sich nach aussen zuspitzt und mit 
einem Plättchen geschlossen wird. In der späteren Epoche, von der letzten
        

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