Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1680270
Erstes Kapitel. 
Indische Baukunst. 
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kreisförmig schliessen, indem sieben achtcckige Pfeiler den Umgang um 
den in der Nische aufgestellten Dagop bilden. Die Kapitale der Säulen 
haben die an den ältesten Denkmälern vorkommende Gestalt einer umge- 
kehrten Glocke. Eine hufeisenfürmig gewölbte Decke mit hölzerncm Rip- 
PenWerk überspannt das Mittelschiff ; am Fusspunkte der XVölbung treten 
über den Kapitälen Elcphantenfiguren in kräftigem Relief heraus. Erleuch- 
tet wird der 126 Fuss lange und  Fuss breite Raum durch eine halb- 
kreisförmige Lichtöffnung, welche über dem Eingange an der dem Dagop 
gegenüberliegenden Schmalseite sich befindet. Bei B aug in (Zentral-Indien 
hat man ebenfalls vier buddhistische Tempel entdeckt; überhaupt bestehen 
an den meisten Orten buddhistische Heiligthümer neben den brahmanischen ; 
ja in einem Tempel zu Ellora finden sich Bildwerke beider Religionen ver- 
eint. Alles dies deutet demnach auf eine Zeit hin, wo jene beiden Formen 
des indischen Cultus friedlich neben einander bestanden, wie sie selbst von 
Alexander dem Grossen noch gefunden wurden. 
Durch mannichfaltigcre, complicirtere Gestalt, besonders aber durch Brnhmanisehe 
reichere plastische Ausstattung unterscheiden sich die brahmanischen 6mm" 
Grotten von den buddhistischen. Man erkennt an ihnen leicht das Be- 
streben, jene einfacheren, zum Theil älteren Werke an Opulenz und Pracht 
zu überbieten. 
Die meisten und bedeutendsten Grottentempel finden sich in dem nörd- Grotten von 
liehen Felsenkamme des Ghat-Gebirges, das die Halbinsel Dekan begrenzt, 1511011," 
sowie auf den Inseln Elephanta und S als ette , grösstentheils nicht weit 
von Bombay entfernt. Unter ihnen stehen an Umfang und Ausbildung die 
XVerkc , welche nach dem benachbarten Dorfe Ellora den Namen führen, 
obenan. Dort bildet der Rücken des Granitgebirges einen Halbkreis von 
bedeutender Ausdehnung. Diese ungeheuren Felsmassen, die den Umfang 
einer ganzen Stadt einnehmen, sind durchweg ausgehöhlt, so dass sie, 
manchmal in mehreren Stockwerken über einander, eine Reihe von Tem- 
peln bilden. Oft ist die obere Felsmasse ganz fortgearbeitet, so dass der 
aus dem Berge herausgehauene Tempel als frei liegendes Bauwerk zu Tage 
tritt, während er zugleich durch seine mit reichem Schmucke bedeckte Ein- 
gangshalle nach Aussen sich öffnet. Zur Stütze dieser gewaltigen Grotten, 
die überwiegend flache Decken haben, hat man Reihen von Pfeilern oder 
Säulen stehen lassen, die in mannichfaltiger Weise gegliedert und mit 
phantastischen Ornamenten bedeckt sind. Von den einzelnen Selbständigen 
Tempeln sind ferner nach dem frei herausgearbeiteten Haupttempel steinerne 
Brücken herübergeschlagen ; zahllose 'l'reppen und Kanäle, die in den Felsen 
gehauen sind, vermitteln die Verbindung dieser Vorhöfe, Corridore, Galerien, 
Haupt- und Nebentempel, Pilgersäle und Wasserbassins, so dass das Ganze 
wie ein Versteinertes Rathsel Auge und Geist in Verwirrung setzt. 
Von den Wunderwerken zu Ellora trägt das grösste den Nalnen K ai- Kailasa zu 
lasa, Sitz der Seligen. Durch einen breiten, mit Bildwerken gezierten huora" 
Eingang, zu dessen Seiten Zwei in den Felsen gehauene Treppen nach dem  
Oberen Stockwerke führen, gelangt man in einen ganz aus dem Berge her- 
ausgearbeiteten freien Raum, der rings von hohen, mit Galerien und Ka- 
pellen durchbrochenen Felswänden eingeschlossen wird. Im Innern dieseS 
lempclhofes, der die mächtige Ausdehnung von 150 Fuss Breite bei 250 
Fuss 'l'iefe hat, begegnet der Blick zu beiden Seiten zwei riesigen; aus dem
        

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