Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1683946
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Fünftes Buch. 
feinen Rippen, welche der Schildwand als Einfassung dienten. In späterer 
Zeit ging man so weit, selbst den Diensten dasselbe Profil zu geben, und 
endlich gar das Kapitäl bisweilen gänzlich zu beseitigen, so dass die Be- 
Fig. 305. 
   
  
 7 
 W393. 3 
Kathedrale zu Paris. (lgllg-ßäßil.) 
 
 
wx 5  
Kathedrale zu Narbonnc. (11540) 
wegung in ununterbrochenem Fluss aufschoss,  eine zu weit getriebene 
Consequenz, die dem Wesen der Kunst widerspricht. Denn die iiusserste 
Logik , die absolute mathematische Regel- 
n? 301 mässigkeit ist Sache der Abstraction , des 
  Ü  Denkens, nicht des Lebens, und jedes Kunst- 
    werk ist ein lebendiger Organismus. Immer 
  aber wurden die Rippen in ihrem Scheitel- 
     punkte durch einen kraitigen, gewohnlich mit 
  einer Rosette oder einer symbolischen Dar- 
Äi, Stellung geschmückten S chl u s s s te i n zu- 
 "xx sammengefasst. Vom 14. Jahrh. an ging man 
  in der Entlastung der Gewölbstützen noch 
l  weiter, indem man die Gewölbe aus einer 
Sseverin m Pari5_ (15_Jahrh_) grösseren Anzahl von Kappen zusammen- 
setzte. Die vermehrten Rippen bildeten dann 
mannichfaeh zierlich verschlungene Muster, so dass diese Stern- und 
Netzgewölbe sowohl der Construction als auch dem ästhetischen Ein- 
druck dienen- 
Wie wir in der Anordnung des Grundrisses und in der Bildung der 
Glieder ein bewegteres Pulsiren des architektonischen Organismus im Ver- 
gleich mit dem gemessen-feierlichen Schritt der romanischen Gewölbkirche 
fanden , so gestaltet sich auch die Theilung der oberen Wand des Mittel- 
schiifes in entsprechender Weise. Ueber den Arkaden durchbricht eine in 
der Dicke der Mauer angelegte Galerie mit ihren auf Säulen ruhenden 
OeHnungen, dem sogenannten Trif o rium, die Wandfläche (vgl. den per- 
spectivischen Querschnitt der Kathedrale zu Amiens Fig. 308). DOCb iSt 
daran zu erinnern, dass der romanische Styl auch diese Anordnung bereits 
kannte. Das unter der Galerie sich hinziehende Gesims wird oft, dem Ver- 
ticalismus des Systems zwar entsprechend , immerhin aber unschön genug, 
von den aufsteigenden Diensten durchschnitten; manchmal aber, YViß auf 
unserer Abbildung, setzt es sich mit einer Verkröpfung um dieselben fort.
        

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