Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1683897
Drittes Kapitel. 
Gothiscßer Styl. 
381 
der Strebebogen kommt schon an romanischen Bauten, in Deutschland 
z. B. an der Capitolskirche zu Köln, mehrfach vor. Der Spitzbogen 
endlich , auf den die Baumeister offenbar durch die Bekanntschaft mit den 
maurischen und sicilisch-normannischen Bauten aufmerksam geworden 
waren , hatte im Uebergangsstyle sich bereits in consequenter Weise nicht 
bloss an Portalen und Fenstern, sondern auch arßden Gewölben eingebür- 
gert. Dass aber die chrisdich-mittelalterliche Architektur diese Bogenform 
in einem ganz neuen Geiste auffasste und ausbildete, ergibt eine kurze 
Betrachtung desselben auf's Schlagendste. 
Will man zwei Stützen durch einen Rundbogen mit einander verbinden, Der gothische 
so wird die Mitte ihrer Entfernung auch der Mittelpunkt des zu- schlagenden SPitZbOgeIL 
Halbkreises sein. Nimmt man aber einen grösseren Radius und beschreibt 
mit demselben von jenen Stützen aus e einen Kreis, so werden die beiden 
Linien einander schneiden, ehe jede einen Viertelkreis gezogen hat,ves wird 
sich ein Bogen bilden, der aus zwei Kreissegmenten besteht, das heisst 
ein Spitzbo gen. Man könnte unter den Constructionsformen den Spitz- 
bogen den architektonischen Repräsentanten der Freiheit und des Indivi- 
dualismus nennen, denn während zwischen zwei Stützpunkten nur der eine 
Rundbogen möglich ist, kann man eine beliebig grosse Anzahl von Spitz- 
bögen darüber schlagen, je nachdem man sie aus einem grösseren oder 
b 
xXK-x  
 xx 
Fig. 294  Spitzbogenformen. 
C 
 xlßlifß x" 
jn ' "Qä 
TH  
 v 
Mrf n 
www-  
   
  
  
 l   
 
   
lgleänereäitulireise constrlßuiräit Iäiegt 1er lilgitltlelpunkt deäselben innerhalb der 
3  20 er er 52  F;   
reise m1 em s an e er e1 e u zen, so entst ht d 1  h- 
seitige äpitzlzitig? b) , lliter in der gothischen Zrchitillixtär (iildini- 
iinrtx E0 131 511d III)!  Eä ltgälPän lausserälgflb der Stützen. so ergibt sich 
Dedr lgpitäagoglein die? vdiis seieiileznäeruräiadlbzäigänrglge Boge; (Fig. 294a)- 
1 or ä  K  h   
Construction erbt, bietet nicht allein den Vorzug, gvgiililieäeeneeiiitgäge 
durch Bögen Voll gleicher Höhe zu verbinden, sondern auch in statischer 
Beziehung gewährt er bedeutende Vortheile. Beim Rundbogen haben die 
einzelnen Steine eine viel stärkere Spannung, üben daher gegen einander 
eilfen Yiel griässeren Druck fiuS und bewirken zusammen genommen einen 
mächtigen Se1tenschub. Beim Spitzbogen ist die Spannung eine geringere,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.