Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1683843
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Fünftes Buch; 
Die Anlage dieser Kirchen bildet ihrem Kerne nach ein dem Quadrat sich 
näherndes Rechteck, welches auf drei Seiten von niedrigen Umgängen ein- 
geschlossen wird, während nach Osten eine Vorlage für den Chor, gewöhn- 
lich mit einer Halbkreisnische, sich anfügt. Bisweilen treten auch nach 
beiden Seiten Anbauten heraus , so dass der Grundriss eine Kreuzgestalt 
gewinnt. Schlanke Säulen aus Baumstämmen, die das Mittelschiff von sei- 
nen Abseiten trennen, tragen auf Rundbögen die Oberwand. Ein bretternes 
Tonnengewölbe schliesst den Mittelraum, schräge Dächer bedecken die Sei- 
tengänge. Selbst die Orgeln sind mit allen ihren Pfeifen aus Holz gefertigt. 
Die Kapitale der Säulen bestehen entweder aus einfachen Ringen oder einer 
Nachbildung des Würfelkapitäls, mit phantastischen Schnitzwerken auf den 
' Seitenflächen.  
DasAeussere. Das Aeussere dieser merkwürdigen Kirchen erhält durch die den 
ganzen Bau umziehenden niedrigen nLaufgängeu, welche, nach Art der 
Kreuzgänge unten geschlossen, oben durch eine Galerie auf Säulchen sich 
öffnen, eine noch eigenthümlichere Gestalt. Diese Laufgänge bilden eine 
bergende Vorhalle und halten zugleich die rauhe Winterluft von den unte- 
ren Theilen des Gebäudes ab. Ueber ihrem Dache erheben sich mit ihren 
kleinen viereckigen Fenstern die Seitenschiüe, über diesen das Mittelschiff, 
und aus dessen Dache endlich steigt ein viereckiger Thurm mit ziemlich 
schlanker Spitze auf. Dadurch erhalten diese Kirchen einen ungemein male- 
rischen Aufbau und eine Centralisirung der Anlage , welche irriger Weise 
manchmal auf byzantinische Vorbilder zurückgeführt worden ist, während 
sie sich doch einfach aus den Bedürfnissen und dem Material ergeben hat. 
 Das Aeussere hat mancherlei Schmuck, auch selbst buntfarbig aufgemalte 
Ornamente. Die Giebel sind mit zierlich ausgeschnitzten Brettern bekleidet, 
an den Portalen und anderen ausgezeichneten Stellen finden sich Arabesken 
von seltsam phantastischem Charakter, bisweilen an Schriftschnörkel in 
alten Manuscripten erinnernd. So tönt uns also im entlegensten Norden, 
selbst unter der Herrschaft eines wesentlich verschiedenen Materials, ein 
Nachklang der mächtigen Bildungsgesetze entgegen, welche in jener Epoche 
die ganze christliche Architektur des Abendlandes bestimmen.
        

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