Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1683668
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Fünftes Buch. 
manche besonderen , gemischten Eigenthümlichkeiten zeigen. Anknüpfend 
andie antike Bautradition , tritt der romanische Styl des südlichen Frank- 
reich schon in der Frühzeit des 11._Jahrh. in klar ausgesprochener Origi- 
nalität auf, entwickelt sich sodann auchin den nördlichen Gegenden seit 
der Mitte jenes Jahrhunderts zu bedeutsamerer Gestalt, und wird schon 
gegen Ende des 12. J ahrh. , ohne sich lange mit densogenannten Ueber- 
gangsformen aufzuhalten, durch ein ganz verschiedenes Bausystem, das 
gothische, verdrängt. Wir betrachten zunächst die Bauten  
im 
südlichen 
F_1' a nk 1' exi c h. 
Provmmali- Hier, besonders in den gesegneten 'l'h_eilen, die an das Mittelmeer grenzen 
sehe 3mm" und in grauer Vorzeit schon die Griechen zur Gründung von Colonien 
angelockt; hatten, wo" noch jetztjdie grosszirtigen Trümmer der Römerwerke 
zu Nismes, Arles und an anderen Orten d1e Blüthezeit römischer Oultur 
in's Gedachtniss rufen, entstand unter dem Einfluss des milden Klimas 
und der antiken Bautradition ein romanischer Styl, der, wie Schnaase be- 
merkt, die Antike strenger befolgt als selbst die italienische Architektur. 
   Am meisten charakteristisch ist für diese 
r .274. 
g ,  Bauten, dass sie fast niemals die gerade Holz- 
  decke, aber auch eben so wenig das Kreuz- 
   H    gewölbe, sondern meistens, offenbar in Nach- 
 {X    ahmung römischerBauten, dasTonnengewölbe 
i l i ist?"  
   urc em r  ,   
Ä  f.    SeitenschiiT dagegen durch ein" halblrtes. 
   11 '    welches als Strebe sich an die mittlere YVöl- 
    l" bung anlehnt. Dadurch wird dem Mittelschiff 
   L  m] die selbständige Beleuchtung entzogen; es 
 ;    T erhält sein Licht durch die Fenster der Sei- 
 ü v4" wie. tenschilfe, der Apsis und der Kreuzarme, 
1-  i; bleibt aber doch in seinen oberen Theilen 
 w!"   ziemlich dunkel, was für die nach Schatten 
n. lu "i und Kühlung strebenden Bewohner des Südens 
 A1  l: erwünscht sein musste. Manchmal wird auch 
       F"  das mittlere lbnnengewölbe aus zwei Kreis- 
  i. segmenten gebildet, so dass eine Art von 
  Notre Dame du Port zu Clexmrmt. sch-Werel. Spitzbogenform entsteht Der Chor 
 hat gewöhnlich neben seiner Hauptapsis noch mehrere kleinere Apsiden; 
die Scheidbögen der Schiffe ruhen regelmässig auf kräftigen Pfeilern, Svie 
es die starken Mauern und Gewölbe verlangten. Die Thürme sind näädrlg 
und sehwerfällig, theils neben dem Chor, theils an der Fagade angeor net; 
bisweilen erhebt sich auf der Kreuzung ein breiter viereckigenThurIn- Das 
Aeussere 1st gleich dem Inneren übrigens einfach, kahl, wenig gßglledefil 
 nur an Portalen, überhaupt an den Facaden, findet SlCll ein reicher Plastl- 
scher Schmuck, der in grosser Eleganz und Feinheit den antiken Werken 
nachgebildet ist. Canellirte Säulen und Pilaster mit zierlich gearbeiteten 
korinthischen Kapitälen, Gebälk mit reichem plastischen Fries, Zähn- 
schnitte , Eierstäbe und Mäander sind. mit Verständniss und Geschick an- 
gewandt und behande t. 
        

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