Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1680247
Erstes Buch. 
uvrv 
lrkv. 
steinerne Kette von 29 Ringen zusammen, die nebst dem Pfeiler aus einem 
Granitstüek von mindestens G0 Fuss Länge gemeisselt ist. Aehnlieh bedeu- 
tend ist die Pagode der Insel Ramisseram, deren Eingangsthor eine 
Pyramide von lUO Fuss Hölle krönt, und deren Haupttempel in so gewal- 
tigen Dimensionen aufgeführt ist, dass über tausend prachtvoll geschmückte 
Säulen sein Dach tragen. Die Pagode von Madura (Fig. 3) an der Corn- 
 erhebt sich in ihrem Hauptbaue sogar über 150 Fuss in 
zwölf Geschossen. Die Pyramide ist mit zahllosen Bildwerken bedeckt, die 
im Verein mit all den geschweiften Dächern den Ausdruck von Unruhe und 
Ueberladung in's Unglaubliche steigern. 
Bis in wie verhältnissmässig junge Zeit die Anlage solcher Bauwerke 
herahreieht, bezeugt die berühmte Pagode von Jaggernaut, die im Jahre 
1 198 n. Chr. vollendet wurde , in der Anlage eine der grossartigsten und 
umfangreichsten, in der Ausführung dagegen roher als die vorher genannten 
WVerke. Noch viel jünger ist ein Tschultri (Saal für die Aufnahme der 
Pilger) zu Madura, welches erst im J. 1623 unserer Zeitrechnung begon- 
nen wurde. Dieser riesige Saal wird von 1 24 in vier Reihen gestellter Pfei- 
ler "getragen, deren jeder bis zum Kapital aus einem einzigen Granitbloek 
besteht. Die Pfeiler sind auf allen Seiten so vollständig mit Ornamenten der 
wunderliehsten Art überladen, die Gesimse so vielgliedrig in buntestem 
Fornnvechsel zusammengesetzt, die Sockel und Flächen der Pfeiler mit 
einem solchen Gewirr seltsamen Bildwerks bedeckt, dass das Auge ratstlos 
in dieser gleichsam toll gewordenen Ornamcntik umherirrt, kaum rermögeud, 
eine Form festzuhalten. 
Gmütellalllngoll. 
 Neben jenen Tope's und meist mit ihnen verbunden trifft man in Indien 
' i  zahlreiche ausgedehnte bauliche Anlagen, welche in den Granitkern der 
Berge hineingearbcitct sind. Auch diese scheinen ihre erste Entstehung 
dem Buddhismus zu verdanken. Da es bei den frommen buddhistischen 
Schwärmern nämlich Sitte war, sich oft auf längere Zeit zu religiösen 
Uebungen und Betrachtungen aus dem Geräusch der Welt zurückzuziehen 
und die Einsamkeit der Gebirgsklüfte und Höhlen aufzusuchen, so kam 
man bald darauf, diese Höhlen künstlich weiter auszubilden, grösscre 
Haupträuine sammt umgebenden Kapellen und einzelnen Cellen für die 
frommen Büsser auszutiefen und einen Colnplex mannichfaclier Räume 
 daraus zu gestalten. Diese klosteriihnlichcn Anlagen, die sogenannten 
'   V1l1 aras, haben zum Mittelpunkt in der Regel eine grössere tempclartige 
Halle, welche das Bild Buddhrüs enthält. Die ältesten scheinen die Fels- 
höhlen bei Gaj ah zu sein, welche, wie die Inschriften bezeugen, von König 
Daqarathn, dem Zweiten NäCbfolger Acokzifs, den buddhistischen Priestern 
Qaixin- zur Wohnung hergerichtet worden sind. Andere Anlage, und zwar die eines 
immun einfacheren Heiligthumes, zeigen die C h ai tj a- Grotten, welche lediglich 
als Tempel dienten. Bald als der Brahmaismus seine Reaction gegen die 
neue Lehre begann, ahmte er dieselbe auch in der Anlage der Grotten nach 
und machte auch hierin die überschwängliche Phantastik seiner Sinnesweise 
geltend So findet man eine Zeit lang Grotten buddhistischer und brahma- 
nischer Art neben einander, bis zuletzt, seit dem Unterliegen oder der
        

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