Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1683555
Zweites Kapitel. 
Bomanischer Styl. 
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bedeckt, die älteste zu sein. Die inQrümmern liegende Cisterzienserkloster- 
kirche zu Lehnin", in ihren östlichen Theilen jünger, zeigt im Langhause 
eine auf Gewölbe berechnete Pfeileranlage, vermuthlich vom J. 1272, und 
die an einigen sächsischen Kirchen vorkommende Umfassung je zweier 
Arkaden durch einen Blendbogen. Einen sehr reichen Uebergangsstyl fin- 
det man im Dom zu Lübeck, zwischen 1266 und 1275 erbaut; eine 
Nachahmung des Braunschweiger Doms am Dom zu Ratzeburg aus 
dem 13. Jahrh. Besonders edel ausgebildet erscheint der Dom zu Cam- 
min mit selbdritt gruppirten Fenstern. Einfach endlich, jedoch mit statt- 
licher, an die Kirche zu Lbccum erinnernder Choranlage, ist die Kirche des 
1170 gegründeten Cisterzienserklosters Zinna, deren Mittelschiff indess 
nachträglich überwölbt zu sein scheint. 
Fandeniwir in den-romanischen Bauten Deutschlands eine grossc  
Nlannichfaltigkeit selbständiger Richtungen, so bietet Italien zwar keinen a 
solchen Reichthum an individuell geschlossenen Gruppen dar, wohl aber 
macht sich hier in den einzelnen Hauptrichtungen eine viel grössere Ab- 
weichung bemerklich. Mittelitalien, wo die antiken Ueberlieferungen inner- 
lich und äusserlich am kräftigsten vorherrschten, blieb während der ganzen 
romanischen Epoche auf der Stufe des altchristlichen Basilikenbaues stehen. 
Sicilien iundlUnteritalien, unter der Herrschaft der Normannen, fügte dazu 
jene eigenthümlichen orientalischen Formen, welche durch die Baukunst 
der Mauren hier, heimisch geworden waren. Oberitalien dagegen, dessen 
Volksstämme -am meisten mit germanischem Blute sich gemischt hatten, 
betheiligte sich in energischer Weise an der Entwicklung der gewölbten 
Basilika, und nur das handeltreibende Venedig gab sich , in Folge seiner 
Verbindungen mit dem Osten, völlig dem byzantinischen Bausystem hin. 
YVas aber allen italienischen Bauten dieses Styls gemeinsam blieb, das" ist 
vornehmlich der Mangel eines mit dem Kirchenkörper verbundenen Thurm- 
baues. Die Facade schliesst gewöhnlich in der durch die drei Langschiffe 
bedingten Form, die dann in verschiedenartiger Weise, entweder antikisi- 
rend oder nach romanischer Art mit Lisenena Halbsäulen und Bogenfriesen 
sich gliedert. Manchmal wird die Fagade mdess, ohne diese Rücksicht 
auf die Oonstruction des Langhauses, höher und reicher als eigentliches 
Decorationsstiick vorgesetzt. In einigen (Ftegenden gewinnt sodann ein 
mächtiger Kuppelthurm auf der Kreuzung eine besondere und zwar für die 
Erscheinung des Langhauses zu sehr überwiegende Bedeutung. 
 In Mittelitalien 
lassen sich auf den ersten Blick zwei verschiedene Baugruppen sondern. 
Der Mijztelpunkt der einen ist R0 m 2). Hier wird am wenigsten eigene Er- 
findungskraft in Bewegung gesetzt. Man baut bis zum 13. Jahrh. in jener 
nachlässigen Weise, welche sich der antiken Ueberreste sorglos bediente, 
Römische 
Bauten  
 1) S. zPAgincInITt: Ilistoärc z_1e Part efc. Deutsche Ausgabe von F. v. Quasi. Berlin. F01. u. 4.  
H. Gally Knight: The ecvlesxastlcal nrchxtgctnrc of ltaly. 2 Vols. F01. London 1842.  Chupuy: 
Italic monumentale et. pittoresque. Fßl- PHYIS-  Der Cicerone von J. Burckhardt. 8. Basel 1855. 
2) Guttensohn und KMIPP: Dßnkmalß dvr xzhristlichnn Religion. Dazu als Text C. Bunsen: Die 
Busilikon des-clu-istlichen Roms. 4. Rom 1:425.
        

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