Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1683521
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der Uebergangszeit. WVenn man nun freilich in der Gesammtanlage, der 
Disposition der Räume und dem Aufbau sich im Wesentlichen an das im 
übrigen Deutschland, namentlich in den sächsischen Gegenden, gebräuch- 
liche Schema anschloss, S0 wurde doch durch einen äusseren Grundteine 
Umgestaltung der Glieder und decorativen Elemente in besonders charak- 
teristischer Weise geboten. Das norddeutsche Tiefland ist als Niederschlag 
ehemaliger Meeresfluthen arm an gewachsenen Steinen. Es bot daher zu- 
nächst nur in den überall hin zerstreuten Granitsteinen , den sogenannten 
Wanderblöcken, dem Baubedürfniss ein verwendbares, festeres Material. 
So findet man die ältesten Kirchen dieser Gegenden aus unregelmässigen 
Feldsteinen roh und ungefüge errichtet. Diese unkünstlerische, einer höhe- 
ren Entwicklung unfähige Bauweise konnte aber nur bei unscheinbaren 
Dorfkirchen, und selbst bei diesen nicht lange genügen. Man vermochte 
hier höchstens durch rechtwinklige Auseckungen die Portale , durch abge- 
treppte Giebel die Facaden auszuzeichnen; bei diesen dürftigen Nothbe- 
helfen blieb man stehen. Es war daher Nichts übrig, als die Erde selbst 
zu formen, und Ziegelsteine in geeigneter Grösse als Material sich zu 
schaffen. Bisweilen verband man diese mit Granitsteinen, welche letztere 
dann zu den Ecken und Einfassungen gebraucht Wurden. Bald aber ge- 
wöhnte man sich daran, verschiedene Muster in Thon zu bilden und mit die- 
sen sogenannten F o rm s te i n en den Anforderungen höherer künstlerischer 
 Fig. 2.31). 
 
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 Kapitäl aus Jvrichovr.  
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Kapitäl aus Ratzeburg.  
Durchbildung Zu entsprechen. Dennoch mussten sich gewisse Formen einer 
dem Mateüal Zusagenden Umwandlung unterwerfen. Unter diesen ist das 
Kapitäl für die innere Architektur das wichtigste Glied. Man ging bei 
seiner Gestaltung von der Würfelform aus; aber wenn dort der Uebergang 
von der runden Säule zur rechtwinkligen Deckplatte durch Kugelabschnitte 
bewirkt wurde, so wird er hier durch Kegelabschnitte gebildet, S0 daSS die 
senkrechten Flächen des Kapitäls nicht aus Halbkreisen, sondern aus Tra- 
pezen, wie bei Fig. 259, oder aus Dreiecken, wie bei Fig. 260, bestehen.
        

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