Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1680226
Erstes Buch. 
A nltostc 
Tnfnfs. 
Tope vnn 
Sanchi. 
Tnpüs auf 
Cvylnn  
Topn-"s von 
Afghanistan. 
nWasserblasea aufgefasst, unter deren Bilde Buddha die Vergänglichkeit 
alles Irdischen zu bezeichnen pflegte. 
Solcher Denkmäler gibt es eine grosse Anzahl in den verschiedenen 
Theilen Indiens verstreut. König Aeoka selbst soll die Reliquien Bnddhais 
in 84,000 Theile getheilt, dieselben an alle Städte seines Reiches gesandt 
und darüber Stnpa's errichtet haben. Wie übertrieben auch diese Angaben 
sind, jedenfalls lassen sie auf eine schon entwickelte Bauthütigkeit schlies- 
sen. Ucberreste solcher Bauten aus Aeokzfs Zeit will man in der Umgegend 
von Gaj ah gefunden haben. Im Uebrigen liegen die noch vorhandenen Topds 
in mehreren Gruppen zusammen. Eine Hauptgruppe findet sich in Central- 
Indien bei der Stadt Bhilsa; es sind an dreissig derartige Bunten hier 
erhalten , unter denen die beiden Tope's von Sanchi die bemerkensivcr- 
thesten scheinen. Der grössere hat bei ungefähr 5G Fuss 1_-Iöhe einen unte- 
ren Durchmesser von 120 F uss und erhebt sich in einfacher Kuppelform 
mit mehreren Absätzen. In einem Abstande von 10 Fuss wird er von einer 
steinernen Umzäunung eingeschlossen, in welche vier Portale von über 
lS Fuss Höhe führen. Die Einfassung des Portals wird durch kräftige, 
bildwerkgeschmückte Pfeiler gebildet, auf deren Kapitälen Steinbalkeir von 
geschweifter Form ruhen. Zwei dieser Kapitale sind mit den Gestalten von 
Elephanten, das dritte ist mit Löwen, das vierte mit menschlichen Figuren 
plastisch verziert. Reliefs und freie Seulpturen bedecken auch die ganze 
Fläche der Stcinbalken. Hier verbindet sich also mit der einfach ursprüng- 
lichen Form des Grabhügels ('l'umulus) bereits ein phantastisch bewegter 
Dekorationsstyl, der auf eine fest begründete Tradition zurückweist. Den 
Zugang zum nördlichen und südlichen Portale bezeichnen schlanke , gegen 
33 Fuss hohe Säulen , deren Kapitale zum Theil jene umgekehrte Kelch- 
form der oben erwähnten ältesten Siegessiiulen des Buddhismus zeigen, 
zum Theil mit der auf Buddha hindeutenden symbolischen Löwengestalt 
geschmückt sind. Diese Formen sprechen dafür, dass wir hier Werke aus 
der Zeit des Acoka vor uns haben. Zugleich aber deutet die Behandlung der 
wichtigsten architektonischen Theile , namentlich der Portale mit ihren ge- 
schweiften Architraven, unverkennbar darauf hin, dass der indische Steinbau 
hier schon in der spielenden Nachbildung von Holzconstructionen sich gefällt. 
Eine zweite Gruppe von Topds ist auf Ceylon entdeckt werden, 
unter denen die bedeutendsten im Gebiete der alten glänzenden Residenz 
Anurahjapirra liegen. Sie sind meist in gewaltiger Ausdehnung aus Ziegeln 
errichtet und mit marmorartigem Stuck bekleidet. In dem sogenannten 
Ruanwelli-Dagop hat man den vom König Dushtagämani um 150 v. Chr. 
erbauten Mubilstupa (d. h. grosser Stupa) entdeckt. Llrsprünglich 270 Fuss 
hoch, erhebt er Sich noch jetzt in einer Höhe von 1110 Fuss auf einer Gra- 
llitterrilssß, die 500 FIISS im Quadrat misst. Endlich hat man an den nord- 
westlichen Grenzen Indiens bis nach Afghanistan hinein eine ebenfalls 
zahlreiche Gruppe von Tope's gefunden, welche am Fusse des Hindu-Khu 
sich in der Richtung der alten Königsstrasse hinziehen, die Indien mit den 
westlichen Ländern verband. Es sind die Tope's von Manikyala, von. 
Bclur, PSSChMVCT, Jelaläbiltl, Kabul und Kohistan. Die mei- 
sten derselben haben als Zeugniss einer ziemlich späten Entstchungszeit 
eine viel schlankere, mehr thurmartig aufstrebende Form und reiche Ver- 
zierung der Basis. '
        

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