Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1683444
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Fünftes Buch 
Pfeiler- 
basiliken. 
Gewölbte 
Anlagen. 
In überwiegender Mehrzahl ist die Pfeilerbasilika zur Anwendung ge- 
kommen, und zwar zunächst mit Hachgedecktem Mittelschiff. So zeigte es 
ursprünglich der Dom zu Gurk in Kärnthen , dessen Hauptdispositionen 
in naher Verwandtschaft mit dem Dom zu Seccau stehen, denn auch hier 
endet das Langhaus ohne Kreuzschiff mit drei Apsiden, auch hier schliessen 
zwei westliche Thürme eine Vorhalle mit reich gegliedertem inneren Portale 
 ein. Dagegen besitzt dieser einfache lslau an seiner hundertsäuligen Marmor- 
krypta ein prachtvolles Unicum seiner Art. Die Bauzeit fällt in die zweite 
Hälfte des 12. Jahrh. Eine höchst normale Anlage ist sodann die Stifts- 
kirche S. Paul im Lavantthal (ebenfalls in Kärnthen), mit zwei Thür- 
men und Vorhalle, östlichem Kreuzschiff und drei Apsiden, an Pfeilern 
und Bögen mit vorgelegten Halbsäulen gegliedert. Einfache Pfeilerbasiliken 
der Kärnthener Baugruppe finden wir ferner in der Prämonstratenserkirche 
zu Griventhal mit geradlinige-m Schluss des Chores und seiner Abseiten; 
sodann in der Stiftskirche zu E b ern d 0 rf mit ausgedehnter Krypta unter 
Chor und Kreuzschiif, und in der Cisterzienserkirche zu Viktring bei 
Klagenfurt, einem Bau mit Kreuzschiff, doch ohne Krypta, der bei ent- 
schiedenen Uebergangsformen ursprünglich ein flachgedecktes Mittelschiff 
hatte. So soll auch die Stiftskirche zu S eitens te tten trotz ihrer Moder- 
nisirung die Spuren einer Pfeilerbasilika zeigen, und endlich hat Böhmen 
in der grossen Prämonstratenserkirche zu M ühlhausen (Milevsk o) 
eine ähnliche Anlage aufzuweisen. Unter den ungarischen Kirchen gehören 
hieher die Kirche zu Felsö-Oers und der Dom zu Fünfkirchen, ein 
stattlicher Bau mit vier Thürmen , ohne Kreuzschiif, mit drei Apsiden am 
Ende des drcischiffigen Langhauses und einer Krypta in der ganzen Breite 
der Anlage. 
In der Regel nahm man indess die vollständige Wölbung der drei 
Schiffe und den damit verbundenen, durch vorgelegte Halbsäulen geglieder- 
ten Pfeiler auf. Doch scheint diese vollendete Ausbildung der romanischen 
Basilika erst um 1200 allgemeiner in Oesterreich eingedrungen zu sein, 
wenngleich hier wie überall die Cisterzienser der Bewegung den ersten Im- 
puls gaben, und die grossartige Abteikirche H eilig e nkre u z in consequent 
durchgeführter rundbogiger Wölbung, obschon mit ungemein schlichter, fast 
nüchterner Formenbehandlung bereits 1187 vollendet war. Die Kirche, 
deren Gesammtlänge sich auf 255 Fuss beläuft, gehört zu den bedeutend- 
sten österreichischen Bauten dieser Zeit und erhielt nachmals durch die gross- 
artige Erweiterung des Chores eine imposante Innenwirkung. Den Rund- 
bogen hat ferner in allen Theilen die interessante Kirche zu Deutsch- 
Altenburg vom J. 1213. Das Langhaus der Franziskanerkirche 
zu Salzburg (Fig. 251) ist dagegen ein ungemein klar entwickelter Bau 
der entschiedenen Uebergangsepoche, der schon  der Pfeilerbildung die 
consequent durchgeführte Anlage mit reich gegliederten Gurten, spitzbogigen 
Arkaden und Gewölben anzeigt. Fenster und Portale sind jedoch noch im 
Rundbogen geschlossen, die Details einfach und selbst plump, mit Aus- 
nahme eines prachtvollen Südportals, wahrscheinlich einem ehemaligen 
Kreuzschiffe angßhöfig , in Reichthum und Schönheit der Ornamente, 
Schlankheit der Verhältnisse, farbigem Wechsel der Steinlagen sich von 
der übrigen Behandlung so unterscheidend, dass man an italienische Arbeit 
denken muss. Der Chor ist ein durch Originalität und Grossartigkeit der
        

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