Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1683300
322 
Fünftes Buch. 
S 
Säulenbasi- 
liken. . 
Pfeilerbasi- 
liken. 
einzelt bekannt, weshalb unsere Charakteristik die Bauwerke Westfalens 
vorzugsweise in's Auge fasst  Einfiüsse vom Rhein, so wie von den an- 
grenzenden sächsischen und thüringischen Ländern kreuzten sich hier 
gleichsam auf neutralem Gebiet, wurden aber in der Folge doch in eigen.- 
thümlicher Weise verschmolzen und selbständig verarbeitet. Charakteristisch 
ist das seltene Vorkommen von fiachgedeckten Basiliken, so wie das Ueber- 
wiegen des Pfeilerbaues. Die Gewölbanlage wurde hier vermuthlich durch 
den Impuls der angrenzenden Länder eingebürgert, aber sie verband sich 
in origineller Weise, namentlich in Westfalen, am liebsten mit jener Basi- 
likenform, welche einen Wechsel von Pfeiler und Säule-zeigt. Dabei bildete 
sich an Kirchen von geringen Dimensionen eine anmuthige Variation des 
Grundrisses. Es treten nämlich zwei schlanke, durch Basis und Deckplattei 
verbundene Säulen in der Breitenrichtung neben einander, um die Laibung 
des Arkadenbogens aufzunehmen, was eine zierliche Wirkung hervorbringt. 
Am Chor ist die etwas nüchterne Anordnung eines geradlinigen Schlusses 
bei fehlender Apsis beliebt. Die Ausführung ist mässig, das Ornament ein- 
fach, ohne grossen Wechsel; selbst der Arkadensims fehlt in der Regel. 
Das Aeussere zeigt sich besonders schlicht, Bogenfriese, Lisenen, Blend- 
bögen vermisst man fast durchweg, und erst in später Uebergangszeit er- 
wacht ein Streben nach Gliederung der Aussenmauern; selbst die Thurm- 
anlage beschränkt sich meistens, sogar bei bedeutenden Kirchen, auf einen 
kräftigen Westthurm. 
Von Säulenbasiliken hat sich in Westfalen nur eine, die Stiftskirche 
zu Neuenheers e bei Paderborn, gefunden, und selbst von dieser ist nur 
das nördliche Seitenschiff unberührt erhalten. Die Säulen haben schlichte, 
streng gebildete YVürfelkapitäle. Das Seitenschiff ist auf Consolen gewölbt, 
das Mittelschiff war ohne Zweifel flach gedeckt; der geradlinig schliessende 
Chor ist über einer ausgedehnten Krypta erhöht. Ein viereckiger Thurm, 
an welchen sich zwei runde Treppenthürmchen lehnen, erhebt sich am 
Westende. In Hessen ist die Kirche zu Hersfeld eine grossräumige 
Säulenbasilika, 1144 geweiht. Als flachgedeckter Pfeilerbau ist hier nur 
die Kirche zu Konr adsdorfz) im Nidderthale zu nennen, als grossartige, 
consequent gewölbte Pfeilerbasilika die Cisterzienserklosterkirche zu Arns- 
burg , mit besonders klarem Grundplan, geradem Chorschluss mit niedrigem 
Umgang und kleiner Apsis an demselben, die Gewölbe in den östlichen 
Theilen rundbogig, in den westlichen bereits mit spitzbogiger Anlage. ln 
Westfalen haben wir zunächst mehrere flachgedeckte Pfeilerbauten. Die 
Kirche des Klosters Fischbeck, die der Frühzeit des 12. Jahrh. ange- 
hören dürfte, zeigt eine rohe, ungefüge Technik beim Streben nach einer 
stattlieheren Entfaltung. Der mit einer Apsis geschlossene Chor hat eine 
Krypta. Die westliche Facade ist in ganzer Breite als schwerfälliger, aber 
imponirender Thurmbau aufgeführt. Auch die Prämonstratenser-Abteikirche 
KapPenbergv bald nach 1122 gebaut, hat im Wesentlichen verwandte 
Anlage bei grosser Einfachheit der Ausführung und mangelndem Thurmbau. 
Das Schiff ist in gothischer Zeit eingewölbt worden. Endlich ist die Abtei-- 
kirche zu Freckenhorst, im J. 1129 eingeweiht, hier zu erwähnen, die 
1) 7T". I-ißbkßt Die mittelalterliche Kunst in Westfalen. 9. und Fol. LeiPZig 1353-  
ausserdem in C. Srlzinzmcl: Westphalens Denkmäler alter Baukunst. F01. Münster- 
2) Fürflie hessischen Bauten vgl. Gladbaclüs Fortsetzung von M ollefs Denkmalen 
lahm 
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